
The long Way is short
– Was mich in den Wahnsinn trieb
Von Thomas Schmoll
01.02.2026 (Rohfassung)
Teil 1
Anglühen
Ungefähr einen Meter Anlauf nehmen, und dann voll drauf dreschen, auf den Fußball. G. steht im Tor. Und wie er mir Jahre später erzählt hatte, wurde sogar ein Scout der Stuttgarter Kickers auf mich aufmerksam, so eifrig wie ich den Ball schoss; doch diesem gegenüber wiegelte er ab. Nicht, dass ich, fünf Jahre alt, damals Fußball damals für das Non-plus-ultra hielt, doch ich brauchte die Aufmerksamkeit unbedingt, und er gab sie mir. Allerdings – der Preis war hoch. Wirklich, aus heutiger Sicht, war der Preis absolut zu hoch. Doch dazu später mehr.
Nun, das war der Beginn einer, tja, langen Geschichte, die hier in meinen Werdegang intensivst mit hineinspielt, doch natürlich fängt dies alles viel früher an. Würde ich ernsthaft scherzen, dann wäre dies so ungefähr vor vier Milliarden Jahren gewesen mit dem Beginn. Ich bleibe bei scherzhaftem Ernst, und beginne vage in 1945.
Es gäbe so viel zu erzählen über die Menschen aus insbesondere dieser Zeit, in unserem Land ist ja klar, und es gäbe davor, noch so viel anzuhören, von den Vertriebenen aus der Gegend Ostpreußens, – von den gequälten und toten jüdischen Glaubens, Homosexuellen, Behinderten und psychisch Kranken, von den Angehörigen Sinti und den Roma ganz zu schweigen. Doch der Zug scheint abgefahren, zumindest in meiner Familie. Meine Großmutter H. lebt zwar noch, doch sie wird es wahrscheinlich nicht mehr leisten wollen, und auch nicht mehr können; sie ist leider seit Jahren unterfordert, und deutet selbst an, dass sie geistig abgebaut hat. Wer will es ihr etwa übelnehmen, ihr, im Frühling 1931 geboren und das Leben verbraucht und geopfert.
Jene Zeit zwischen dem ersten Weltkrieg und vor 1933, muss noch recht angenehm gewesen sein, eben in Ostpreußen. Es ist ja weit weg von Bayern, wo ich geboren wurde, und im Laufe der Zeit sickert nur tröpfchenweise, hier und da, ab und an mal eine Geschichte durch: Dieser ältere Mann, den ich bei einem Spaziergang überholte, welcher seiner Begleitung erzählte, dass damals, in Ostpreußen, die Welt in Ordnung war. Oder die Reportage über „Ostpreußens ruinenhafte Schlösser“, welche offenbarte, dass dies unter anderem eine satte Kornkammer für den Rest des Kontinents gewesen war. Und eben die Schilderungen meiner Oma.
Tja, und dann? Diese absolute Horror-Katastrophe Drittes Reich grassierte, und ich schreibe es nicht gern, aber glücklicherweise kam dann „Der Russ“, wie sie zu sagen pflegt. Und nun bin ich mir nicht ganz sicher, doch gestern, anlässlich des diesjährigen einundachtzigsten Jahrestages der Befreiung der Gefangenen aus den Konzentrationslagern der Nazis, waren russische Soldaten ebenfalls Befreier? Aha. Irgendwie hatte ich als Befreier, nur die US-Amerikaner gespeichert. Das tut mir leid. Bitte entschuldigt.
Und leider, ganz allgemein, natürlich irgendwie schon leider, kamen dann glücklicherweise die Russen. Ich wiederhole das, nicht nur um den roten Faden wieder aufzunehmen, sondern auch um meine Aussage quasi auf der Zunge zergehen zu lassen, und um diese dann auch zu verstehen. Denn es ist verwirrend, wenn ich so darüber nachdenke. Was soll ich sagen? Ich, wie Millionen andere, die nicht geboren worden wären. Was sollen wir denn sagen? Wer nicht geboren worden wäre, hebt bitte die Hand. Aber war es das wert? Darum geht es nicht, das ist ziemlich überflüssig, okay. Merke: Du übernimmst Altlasten. Na gut.
Zurück zu Großmutter H. und ihren Geschwistern. Geflüchtet sind sie, natürlich, aus der Nähe von Königsberg, dem heutigen Kaliningrad. Und das über den halben Kontinent, hunderte Kilometer übers Land. Bis in die Rostocker Umgebung, zumindest wurden da ihre Kinder, also meine Mutter und ihre Schwestern geboren. Was für ein Drama das auf jener Flucht gewesen sein muss. Zum Schlafen totgestellt, im Graben neben der Straße liegend. Federbetten auf Handkarren, übers Land mitgeschleppt; Geschwister, eine davon, kaum im Schulalter zu jener Zeit, nebenbei noch aufgezogen und durchgefüttert. Was muss das unbedingt für ein Chaos gewesen sein? Und ich beschäftige mich jetzt fast nur mit nur meiner Familie. Irre ist das doch.
Sie hatte mir nicht viel erzählt gehabt. Leider hatte ich auch wenig nachgefragt gehabt. Sie ist eine sehr empfindsame, und sehr intelligente Frau, und sie bekam in den letzten Jahrzehnten nicht viel von mir mit. Doch sie spürte bestimmt, sie sah bestimmt, bei mir war es auch beziehungsweise nahezu bodenlos ungünstig gelaufen. Diese Formulierung ist natürlich irreführend. So wie ich sie kenne, meint sie, ich hätte mich nicht genug zusammengerissen. Das kann ich ihr nicht übelnehmen. Aber hart zu ertragen, ist es dann natürlich schon. Jedenfalls hat sie mit ihrem Gemüt bezahlt, so ähnlich wie in der Story von Timm Thaler und das verkaufte Lachen. Sie ist schon sehr barsch geworden offenbar, nicht verbittert, einfach hart, zumindest nach außen hin; doch ich hatte zuletzt den Eindruck gewonnen, dass sie mit der Welt ihren Frieden gemacht hat. Und was auch interessant ist, wenn man Sie fragt, „Wie redest du denn mit mir?“, oder so …., dann findet ein radikaler Switch im Umgangston von ihr statt.
Doch es gibt schon ein paar Fragen, die mich beschäftigen: – Wurde Sie denn vergewaltigt? Wie wurden ihre Eltern getötet? – Keine Ahnung. – Wurde sie geschlagen? – Aber sicher, so viel hatte sie mir berichtet.
Geschunden wurden sie und die ihren da von den Verwandten, bei denen sie unterkamen, wie sie erzählte. Doch es nahm einen guten Wandel. Früh genug, erkannte sie die Zeichen des politischen Wandels im Osten Deutschlands, und ergriff abermals die Flucht mit ihrem mittlerweile angetrauten Ehemann, zog ihren Kindern zwei, drei Lagen Klamotten an und zog weiter, nach Niederbayern, wo sie ein Haus bauten.
Auch darüber, über diesen Weg, weiß ich wenig. Es erstaunt mich schon, dass ihre Schwestern allesamt in Osterhofen, im Landkreis Deggendorf, untergekommen sind; der Bruder hat sein Glück in Stuttgart gefunden. Auf diesen Zweig der Familie komme ich später noch mal; viel gibt es nicht zu berichten, ebenfalls mangels Kontakt und Kenntnis. Allerdings, das, was ich weiß, hat es in sich.
Dass ich meinen Großvater Heinz nicht schon früher erwähnt hatte, und ihn quasi erst jetzt so direkt nebensächlich erwähne, liegt an seinem zu Lebzeiten ausgedrückten Temperament: ruhig, amüsant, fleißig, bescheiden. Zeit seines Berufslebens bei einem der bayerischen Autohersteller, ist er täglich sehr früh aufgestanden, Bäckeresque sozusagen, in die Fabrik mit dem Bus, früh nach Hause, wiederum früh ins Bett; zwischendurch Haus und Garten pflegen, und ein solides Leben führen. Sagt sich so einfach dahin, vor meinem geistigen Ohr, „solides Leben“… doch, um ehrlich zu sein, kannte ich ihn kaum.
„Da fließt ein großer Fluss, und auf der einen Seite steht ein kleiner Affe. Also, wie kommt der Affe auf die andere Seite? …. Weißt du nicht? Na, wenn du großer Affe das nicht weißt, wie soll dann der kleine Affe das wissen?“ – sein Lieblingswitz.

Heinz P. circa Mitte der 1980er Jahre.
Im Schwimmbad, so meinte G. einmal zu mir, hätte er meine Mutter angesprochen. Sehr interessant im Grunde, zumindest, wie ich jetzt finde. Zu verstecken gibt es da ja tatsächlich wenig. Merke: Du überinterpretierst. Doch Gelegenheit macht Diebe. Na gut. Und zu seiner Entschuldigung: Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Jedenfalls schien er seitdem, bis zum Ableben meiner Mutter Rosemarie Gisela im Januar 1995, zu ihrem Leben zu gehören, und bis letztes Jahr, dann auch zu meinem. Manche Dinge schleichen sich so ein, in den Alltag, und man merkt es nicht. Zumindest nicht, solange man nicht „bewusst lebt“. Kurios und merkwürdig ist das gelegentlich.
Doktor Manfred K. sagte das, während der Behandlung in seiner Praxis in Balingen einmal zu mir. Es war die Antwort auf die Frage von mir, was man dagegen tun kann? Er stellte fest, dass meine Lebensenergie fast aufgebraucht sei. Ich war ungefähr zwanzig Jahre alt, jung zwar noch, aber mitnichten verwundert. Neugierig jedoch, und ich wollte es genauer wissen. Was denn genau, fragst du dich vielleicht zurecht nun? Na, bewusst leben, meine ich. Ha ha. Ich hatte glatt vergessen, das zu erwähnen. Ich bohrte im Gespräch nicht weiter nach, sondern entschied mich unbewusst dafür, das für mich, in meinem Leben, selbst herauszufinden. Bewusst leben. Tu das mal. Sagt sich so einfach, aber hörte man in den 90ern nicht alle Tage. Das ist nicht so einfach, wie bewusst atmen, eher so komplex, wie bewusst bluten, jedoch irgendwie nicht greifbar, ziemlich abstrakt, oder nicht?
Es ist natürlich schwierig, ein Buch über ein, mein Leben zu schreiben, und darauf zu verzichten, quasi diverse Anklageschriften zu verlesen; insbesondere, wenn es um Menschen geht, die an einer psychiatrischen Störung leiden. Doch du wirst vielleicht verstehen, wenn ich hier schreibe, dass dies schon einen bitteren Nachgeschmack hatte, als ich nach fünfundvierzig Jahren feststellte und begriff, mit wem genau ich da über diesen Zeitraum hinweg nahezu unentwegt gerungen hatte: einem psychopathischen Narzissten.
Meine Mutter hatte das vielleicht unbewusst geahnt, – so zumindest deute ich ihren Gesichtsausdruck auf einer der Fotografien, die G. von ihr in Stuttgart, innerhalb der ersten gemeinsamen Jahre, geschossen hatte.

Rosemarie Gisela circa 1985
Ich ahnte es ja auch, dass etwas nicht stimmte, doch ich kam auch einfach irgendwie unter die Räder. Nun ist einfach in den letzten Jahren, auch durch den ein oder anderen Song zu dieser psychischen Verfassung, ein neues gesellschaftliches Bewusstsein entstanden. Nicht zuletzt durch Donald Trump, ist ja Narzissmus irgendwie schon salonfähig geworden; wenngleich Mister Trump nun sicherlich nicht der erste seiner Art ist – höchstwahrscheinlich ist er einer dieser Art -, und doch schon irgendwie, in so einer globalisierten Welt und in vergleichbarer Funktion. Offen gesagt, fand ich es schon befremdlich, dass er einen Auftritt bei der Fernsehserie „Sex and the City“ hatte. Jedoch, wie ich dann doch irgendwie darauf kam, dass G. psychische Körperverletzung betrieb, und daher die Bezeichnung „psychopatisch“ durch aus berechtigt ist? Hm, kann ich gar nicht genau sagen, denn das ist wie, wenn man jahrzehntelang ein sehr großes Puzzle zusammensetzt, von dem man nicht weiß, wie das Bild aussieht. Man ahnt, und ahnt, und wundert sich, und flüchtet, und distanziert sich, und freut sich dennoch über Aufmerksamkeit, und seht sich nach Anerkennung. Ein riesiger Haufen Darmfrucht ist das.
Alles, was ich wirklich bewusst nachvollziehen kann, und des Weiteren so schildernd kann, dass man das, wenn man diese Zeilen liest, spontan begreifen kann ist, dies: Als ich vor wenigen Monaten da an meinem Schreibtisch in meiner Wohnung in München saß, und vertieft in Gedanken in mir, quasi mein Leben durchpflügte, und über G. und unsere Beziehung sinnierte, begriff ich schlicht, dass er das ist, was man landläufig unter einem Psychopathen versteht. Und auf diesen mentalen Durchbruch hin, kribbelte mein ganzer Körper drei Minuten lang. Das hatte ich nie zuvor erlebt. Und die Entspannung seitdem, ist wirklich phänomenal.
Tja, Ahnung, ein weites Feld, und wird wohl häufig unterschätzt, die emotionale Ahnung zumindest, wie ich finde. Die meisten werden sich daran, an ihrem Gefühl orientieren. Ist ja auch normal, in der Regel wächst man so auf. Die paar hunderttausend Leute hierzulande, welche das nicht gelernt haben, und folglich (noch) nicht tun, und daher womöglich mehr noch: Die, die sich dadurch krasser weise ebenfalls in einer Angststörung wiederfinden oder wiedergefunden haben, können wahrscheinlich deutliche Worte finden, wie oder warum man Ahnungen bewusst in sein oder ihr Leben integrieren sollte.
Es geht nicht darum, alles zu im übertragenen Sinn zu sezieren. Das nicht. Allerding reflektieren, und tatsächlich – wo auch immer du, Manfred Kuhnle, gerade steckst – bewusst leben.
–
Ja, er, Mandfred Kuhnle war es dann auch gewesen, der damals zu mir meinte, „Darmkrebs, man gehe davon aus, dass dieser psychisch bedingt sei.“ Das war natürlich auch ein hilfreicher Tipp. Das ist jetzt keine Ironie. Auf keinen Fall. Es ist natürlich sehr schwierig, dies nachträglich zu beurteilen, und dazu noch ein quasi fremdes Leben betreffend. Nachkriegskinder, die einen oder mehrere fluchtartige Umzüge erdulden mussten, oder auch angezettelt hatten, wenngleich auch eventuell aus einer inneren, unter Umständen von Vorfahren übernommenen Not heraus, und die zwar lebten, was das Zeug hält, und was die Zeit her gab, mussten sich schon umschauen, vermute ich. Geredet wurde auch bei uns daheim über solche Geschichten oder Ereignisse, wie ihre Abtreibung oder Totgeburt, Ahnungen über Wesenszüge von angeheirateten Familienmitgliedern, nicht – auch nicht, wahrscheinlich …. schade natürlich, aber war oder istdas nicht auch der Plan?
Plan? Wessen Plan? G.s Plan? Gottes Plan? Teufels Plan? Oder doch nur Schicksal? Oder eben Bestandteil evolutionären Verhaltens und noch nicht auf dessen To-Do-Liste?
Es bleibt ein offenes Geheimnis. Verstorbene nehmen diese Dinge mit ins Grab, und findige Nachfahren buddeln darin und darum herum – wenn auch nur intellektuell. Eh klar. Aber es regte mich zum Nachdenken an, diese Aussage, „Darmkrebs? Wahrscheinlich psychisch bedingt.“ Und ich sinnierte lange darüber, bis ich das Gefühl hatte, der Fluss aus Gedanken endete in einem ausgetrockneten Flussbett. Das bringt mich auf ein weiteres Thema, dazu aber später mehr.
Tatsächlich war es mein Vater Harald, welcher mir von der Abtreibung erzählte. Der Gedankensprung zur Abtreibung kommt aufgrund einer jahrzehntelang immer wieder durchexerzierten Überlegung, dass meine Mutter wohl an der von ihr, an sich, eine Abtreibung durchführen ließ und daran möglicherweise zugrunde ging – unter anderem natürlich.
Harald jedenfalls, hatte ein gutes Herz. Zu erkennen ist das unter anderem daran, dass er mir zwar erzählte, dass er meine Mutter zum Abtreiben eines Kindes nach Wien gefahren hatte – Mitte Ende der 1970er war das gewesen -, er verschwieg aber, dass dies ein Nachkomme, höchstwahrscheinlich eines sogenannten sexuellen Fehltrittes geworden wäre. Fehltritt? Doofes Wort. Sie ging halt angeblich einfach fremd. Meine jüngste Halbschwester L.-M. N. erzählte mir das während eines Chattes einmal.
Leben, was das Zeug hält – und die Zeit hergibt. Go for it, ha ha hüstel.
Allerdings Folgendes: Bitte nicht falsch verstehen. Es war ihr Leben. Es war ihr Körper. Und Frauen haben das uneingeschränkte Recht, über diese zu entscheiden. Eh klar – aber offenbar nicht jeder oder jedem.
Na, ich bin mir nicht ganz sicher, aber in der Hinsicht scheine ich etwas von ihr geerbt zu haben. Nun kann man natürlich sagen, ah, was für eine schöne Ausrede, nahezu euphemistisch … aber tatsächlich stimmt es schon, dass die letzte Entscheidung natürlich bei mir lag. Und dies fiel oft gegen die Beziehung, in der das „Subjekt meiner Begierde“ gerade steckte beziehungsweise diese spielte bei meinem Entscheidungsprozess, „Sex? Ja oder nein?“, eine untergeordnete Rolle. Ich fügte mich gerne. Wem? Dem Schicksal? Meinem Sexualtrieb? Ja, genau. Weißt du was ich meine? Bitte verurteile mich nicht, ha ha, wir können nicht anders. Und was meine ich mit, „Wir“? Ist momentan ziemlich undefiniert. Doch ehrlich gesagt, ist oder scheint es mir wichtiger zu sein, meine Gene weiter zu reichen, als Rechtschaffenheit auf unserer Fahne zu unterstreichen. Das passt auch mit meinen Vorfahren zusammen, von denen ich glaube, dass sie sich auf den Weg aus dem weiten China oder Japan gen Westen gemacht hatten, und ferner das unter diesen auch Piraten waren.
Ich persönlich halte mich nicht für rechtschaffen, zumindest nicht, im Vergleich zu dem, wie G. sich mir gegenüber verkauft hatte. Korrekt, im sozialen Kontext, ja das schon, aber was ich über Rechtschaffenheit weiß, auch, wenn dieser Begriff durch diese Adoptivfamilie überstrapaziert und missbraucht wurde, nein. Hm, ich gehe mal diesen Weg, und frage Copilot:
~~~~
Rechtschaffenheit ist ein altes, aber kraftvolles Wort. Es beschreibt eine innere Haltung, die weit über bloße Gesetzestreue hinausgeht.
🌿 Bedeutung von Rechtschaffenheit
Rechtschaffenheit meint:
- Ehrlichkeit – man sagt die Wahrheit und handelt transparent.
- Anständigkeit – man verhält sich fair, respektvoll und verantwortungsvoll.
- Integrität – man bleibt seinen eigenen moralischen Grundsätzen treu, auch wenn es unbequem ist.
- Gewissenhaftigkeit – man bemüht sich, das Richtige zu tun, nicht nur das Nützliche.
- Verlässlichkeit – andere können darauf vertrauen, dass man zu seinem Wort steht.
Es geht also nicht nur darum, recht zu handeln, sondern rechtschaffen zu sein: ein Mensch, dessen Charakter und Verhalten übereinstimmen.
🌟 Kurz gesagt
Rechtschaffenheit ist eine Mischung aus moralischer Klarheit, innerer Aufrichtigkeit und praktischer Anständigkeit. Ein Mensch mit Rechtschaffenheit tut das Richtige – auch dann, wenn niemand zuschaut.
Wenn du möchtest, kann ich dir auch Beispiele aus Alltag, Philosophie oder Literatur geben, die das Wort besonders schön illustrieren.
~~~~
Oh, nein, danke. Es wir d mir zu viel. Der Begriff verursacht deutliches Unwohlsein bei mir.
Aber lass uns das kurz weiter spinnen: „Setze bitte Rechtschaffenheit in Verbindung mit Borniertheit.“
~~~~
Rechtschaffenheit und Borniertheit lassen sich sehr gut miteinander kontrastieren, weil sie auf den ersten Blick ähnlich wirken können – beide können als „prinzipientreu“ erscheinen –, aber in Wahrheit völlig unterschiedliche geistige und moralische Qualitäten ausdrücken.
🔍 Wie hängen Rechtschaffenheit und Borniertheit zusammen?
🌿 Rechtschaffenheit
- moralisch reflektiert
- offen für Argumente
- bereit, das eigene Handeln zu prüfen
- handelt aus innerer Überzeugung und Verantwortungsgefühl
Rechtschaffenheit ist eine bewusste, reflektierte Form von Prinzipientreue. Sie ist flexibel genug, um Neues zu prüfen, und stabil genug, um das Richtige zu tun.
🧱 Borniertheit
- engstirnig
- überzeugt von der eigenen Unfehlbarkeit
- immun gegen neue Informationen
- verwechselt Starrheit mit Stärke
Borniertheit ist eine unreflektierte, starre Form von Prinzipientreue. Sie wirkt äußerlich standhaft, ist aber innerlich unbelehrbar.
🎯 Die Verbindung: Scheinbare Nähe, tatsächlicher Gegensatz
1. Beide können „prinzipientreu“ wirken
Ein borniertes Verhalten kann nach außen wie Rechtschaffenheit aussehen: jemand bleibt „konsequent“, „steht zu seinen Werten“, „lässt sich nicht verbiegen“.
Doch der entscheidende Unterschied liegt im Warum und Wie.
2. Rechtschaffenheit ist reflektierte Standhaftigkeit – Borniertheit ist unreflektierte Sturheit
- Der rechtschaffene Mensch prüft seine Werte immer wieder neu.
- Der bornierte Mensch hält an ihnen fest, weil er es immer so getan hat oder weil er keine Alternativen zulässt.
3. Rechtschaffenheit ist offen – Borniertheit ist verschlossen
Rechtschaffenheit verlangt die Fähigkeit, zuzuhören, zu lernen und sich zu korrigieren.
Borniertheit verwechselt Korrekturfähigkeit mit Schwäche.
4. Borniertheit kann Rechtschaffenheit imitieren – aber nie erreichen
Borniertheit ist eine Karikatur von Rechtschaffenheit:
Sie zeigt die Form (Standhaftigkeit), aber nicht den Inhalt (moralische Einsicht).
🧩 Kurzformel
Rechtschaffenheit = Prinzipientreue aus Einsicht.
Borniertheit = Prinzipientreue aus Engstirnigkeit.
Wenn du möchtest, kann ich dir das auch als Metapher, als kleine Szene, als philosophische Gegenüberstellung oder als prägnante Tabelle formulieren.
~~~~
Nein, danke, möchte man fast sagen, doch aufschlussreich war es allemal, da haben sich dann im Laufe der Zeit Begrifflichkeiten in meinem Denken und Wahrnehmen vermischt. Sehr interessant jedoch allemal.
Zurück zum Fremdgehen, und ich sage das mit einem lachenden und einem weinenden Auge, und nach dem Trocknen der Träne: Schön, dass ich das auch noch nach all der Zeit erkennen durfte. Eine prickelnde Gemeinsamkeit, sollte diese denn zutreffen.
–
Drei Jahrzehnte plus ein Jahr ist sie nun tot. Ich verbrachte jenes Wochenende, Anfang Januar 1995, weitestgehend auf vier Rädern und auf der Straße, ich besuchte einen ehemaligen Schulfreund im Allgäu, F.. Zum Widerwillen von G., und zum Kummer von ihr natürlich bestimmt auch, da ich davon überzeugt bin – nach wie vor, dieser Aussage – dass sie eine Ahnung hatte, dass es mit ihr zusehends gesundheitlich bergab ging. Mehr noch, dass ihr Leben zu dieser Zeit womöglich schon spürbar für sie, nur noch an einem seidenen Faden hing. Ob sie ihr Ableben direkt vor Augen hatte, und dies kommen sah, kann ich natürlich nicht sagen – wie denn auch -, doch vor meinem geistigen Auge, kann ich heute noch sehen, wie ich in der Küche, in Owingen in dem Miethaus in der Neuen Straße, an der Arbeitsplatte lehne, und sie im bequemen Campingstuhl, direkt gegenüber im Zimmer, sitzt …. und wir uns in die Augen blicken und betreten – oder wohl wissend – oder wahrscheinlich eher ein weiteres Mal ahnend, dass wir uns nun wahrscheinlich nicht mehr sehen, schweigen. Schwierig natürlich, auch solche Situationen dann zu interpretieren – ich weiß schon.
Direkt nach ihrem Tod, fing ich an diesen Moment als stillen Abschied in mir zu verankern. Und wirklich, dieser Moment hatte mich all die Jahre, die Jahrzehnte immer wieder getröstet. Auch, wenn das, eben aufgrund jenes Schweigens zwischen uns, sehr bedauerlich war.
Sehe ich sie heute auf den Bildern, in denen sie kraftlos und erschlagen drein blickt und sich um Haltung bemüht, ist mir natürlich zum Heulen zumute. Nicht zwingend, weil es meine Mutter ist, sondern weil ein leidender Mensch, dessen Hoffnung stirbt. Aber ich will den tiefen Schmerz in mir nicht leugnen, näher stand mir ja niemand in meinem Leben. Eine Tragödie ist das (gewesen). Doch wie habe ich sie in Erinnerung behalten, auch nach all den Sabotageakten durch G., welcher sie wirklich andauernd die Drecksarbeit in der Erziehung machen ließ. Aaah. Ja, diese aufkommende Wut, zieht mich aus dem Dreck. Zurück zur Frage: Lange Zeit hatte ich ihre Meisterarbeit an der Wand hängen. Schaut selbst:

Entstand vermutlich Ende der 1980er oder Anfang der 1990er.
Ich werde mich wieder einmal um dieses Bild kümmern, es stand jetzt eine Weile abseits im Gerümpel. Es verdient einen schönen Rahmen und einen schönen Platz, gell? Toll, oder? Lasst euch dazu die Musik von Johann Sebastian Bachs Air vorstellen oder einfach anhören:

Johann Sebastian BAch: Orchestral Suite No. 3 in D Major, BWV 1068: II. Air (Karl Richter)
https://link.deezer.com/s/32hlJEZ3HSGwIGcMuv3wH
Klingt wunderschön, oder nicht?
Bereit
Die Erinnerung an Zeit in Stuttgart-Degerloch ist natürlich nun etwas vage in meiner Erinnerung; sie liegt nun auch ungefähr fünfundvierzig Jahre zurück. Doch manchmal erscheinen mir selbst dieser Erinnerungen aus jener Zeit mitunter sehr nah, zumindest wenn ich sie vor meinem geistigen Auge oder Ohr habe. Sie bestehen größtenteils aus Bildern, vergleichbar mit Standbildern aus Videos, und Geräuschen oder Tonfetzen, wie einzelnen, meist kürzeren Sätzen. Wobei ich diese nicht direkt höre. Anders verhält sich das in Situationen, wenn ich glaube – oder davon ausgehe – dass ich dann Gott oder den Teufel höre. Gefühlt hatte ich da schon auch eine Unterhaltung – mit Gott. Schon gut, schon gut, ich weiß – oder ich kann mir das zumindest vorstellen – wie sich das lesen muss: So eine Mischung aus Craziness und Größenwahn. Frei nach dem Motto, ha, Gott spricht zu mir.
Tatsächlich glaube ich, Gott spricht zu uns allen, wir hören es nur nicht, oder vielmehr deuten wir es falsch. Das ist nun kein Wissen, sondern vielmehr natürlich eine Theorie oder ein tief verwurzelter Glaube. Doch diese innere Stimme in uns, dieses gute oder auch öfter mal schlechte Gefühl in der Magengegend, könnte durch aus als Kommunikation mit oder durch Gott ausgelegt werden. Doch ich lege mich da nicht fest. Das soll jede oder jeder – und alle dazwischen – für sich selbst heraus finden – eh klar.
Danke übrigens dafür, dass du weiter liest. Manche legen nun das Buch vielleicht weg. Na, die Frage ist halt, aus welcher Ecke man kommt, beziehungsweise solche Theorien, nicht wahr? Ein paar Familienmitglieder – aus der Familie mütterlicherseits sogar beide Tanten T. und B., deren Kinder M., M., und E. und auch ein Großonkel H. und seine Frau D., samt Kindern Heinz, H. und K. (sie hatte ich zuvor erwähnt gehabt), – von uns, sind beispielsweise Zeugen Jehovas – um mal „eine Ecke“ zu nennen. Meine Mutter stand diesen auch sehr nahe, wurde aber wohl aufgrund der Tatsache, dass sie gelegentlich rauchte, nicht vollständig akzeptiert, sondern war vermutlich nur auf Versammlungen toleriert worden, quasi als Anwärterin oder realistischer: zur Einflussnahme. So jedenfalls erlebte ich diese verwaschene Truppe aus nächster Nähe in meiner Kindheit, was heißt, ich wohnte gelegentlich sogenannten Versammlungen (so werden deren Zusammenkünfte zum Ausleben und Praktizieren des Glaubens genannt) bei, und war mit den Kinderbüchern der Organisation, oder vielmehr Sekte, vertraut. Es ist schon ein sonderbarer Haufen, so viel ist sicher, und es ist gut, dass der Weg damals nicht weiter ging. Es ist schon so, dass nicht jede Seele, und jeder Körper auf Dauer, diesen Einfluss auch gesund durchsteht. Ich spreche von Heinz K. junior. Er sprang in den Tod, angeblich, das heißt laut den Erzählungen meiner Familie, vom Fernsehturm in Stuttgart. Eine Katastrophe. Ich schreibe nichts weiter dazu. Es ist zu undurchsichtig. Sein Leben und das seiner Eltern und Geschwister hatte mit unserer Welt nicht viel zu tun, und weitere Vermutungen würden womöglich Unheil nach sich ziehen. Doch weiter im Text, jedoch im selben Kontext:
Tatsächlich merke ich deren, ich meine den Einfluss der Zeugen Jehovas, noch Jahrzehnte später. So beispielsweise während der Auseinandersetzung mit dem Thema der Organspende. Zeugen Jehovas lehnen diese strikt ab – das war auch der Grund für das mehr oder weniger jähe Ableben meiner Mutter: Sie wollte keine fremde Leber in ihrem Körper -, und wirklich, ich hatte bei der Entscheidung für die Organspendenbereitschaft einen längeren Prozess zu bewältigen, da ich zunächst nicht spenden wollte, in mir also einen Konflikt trug. Das ist schnell erzählt: Konflikt in der Form, dass ich zwar wusste, es muss sein, ich mich dennoch beim ersten Ausweis, welchen ich dann bei mir trug, verwirrenderweise gegen eine Organspendenbereitschaft entschieden hatte. Na, das war was, wie du dir möglicherweise vorstellen kannst.
–

Blick auf den Friedhof samt Kapelle in Haigerloch-Owingen im Eyachtal, Württemberg, Zollernalbkreis.
Das Wetter bei ihrer Beerdigung habe ich noch gut in Erinnerung: Es war zuerst sonnig, dann zogen innerhalb von einer halben Stunde die Wolken zusammen und wir alle gerieten da auf dem Friedhof in eine Art Schneesturm. Seltsam war das schon. Ich möchte da, in diese Wetterfront zu jenem Zeitpunkt, nicht zu viel hinein interpretieren, wenn man den Boden unter den Füßen verliert, macht man das ja gerne; zumindest ich, soweit ich zurückdenken kann. Es werden einfach alle denkbaren Eventualitäten abgeklappert. Irgendwie. So nach dem Motto, Zufall, ja vielleicht, und wenn nicht, dann was könnte es sein? Solche Fragen stellte ich mir damals nicht bewusst. Ich ruderte quasi allein über die offene, stürmische See. Am offenen Grab, als ich an der Reihe war, mich während der Beerdigung vermeintlich und augenscheinlich, unter aller Blicke zu verabschieden, und Erde und einen Strauß Lilien ins Grab, auf den verschlossenen Sarg zu werfen, dachte ich nicht über die Menschen im Hintergrund nach. Mein Herz war gebrochen, und ich ging in die Hocke und verweilte minutenlang. E. D., meine Ex-Kunstlehrerin, welche zu jener Zeit eine Freundin der Familie wurde, erlöste mich aus meinem kauernden und zusehends eingeschneiten Zustand, und geleitete mich da von diesem Grab weg. Das war auch nun auch alles, was ich von dieser Beerdigung noch weiß. Wo der Rest der Familie war, keine Ahnung, damals, wie heute; es spielte keine Rolle.
Circa 1981.

Es war übrigens das erste Mal gewesen, dass ich eine Leiche gesehen hatte. Die Frau, Mitarbeiterin im Kreiskrankenhaus Balingen, führte uns die Treppe hinauf und öffnete uns eine Türe zu einem dunklen Raum. Uns, wir, G. der uns hingefahren hatte, meine beiden Halbbrüder und ich. Und da lag – damals – sie, – heute -ihr Körper, nun …. in künstlichem Licht, still und von allen Schmerzen und Sorgen befreit, tot. Wie eingeklemmt zwischen zwei Baseballschläger, schlug es mir diese von vorne und hinten eingebildet gegen den Schädel und setzte mich unter Schock. Meine Brüder brachen laut aufheulend in Tränen aus, und flüchteten aus dem Zimmer, um die Ecke. Ich funktioniere nur noch und folge ihnen, nehme sie in den Arm, und da stehen wir nun. Filmriss.
Eine Woche später fing ich zum dritten Mal die Ausbildung zum Bauzeichner an beziehungsweise führte diese – mehr schlecht, als recht – weiter und schlug mich so durch. Ich sollte sie aber zu Ende bringen, so viel kann ich vorwegnehmen. Etwa ein halbes Jahr später zog ich daheim aus, nachdem mir G. das in einem getippten Brief vorgeschlagen hatte. An solche Dinge, wie Auszug, oder mein Leben zu leben, vermochte ich gar nicht zu denken; nicht nur zu jener Zeit, sondern allen Ernstes bis letztes Jahr. Ich bin mir nun nicht ganz sicher, doch seit den Nahtod-Erfahrungen in meiner frühen und späten Kindheit, ließ ich mich irgendwie treiben. Gefühlt zumindest. Emotionale Zuversicht, nenne ich das heute, oder emotionale Gewissheit, kann ich das auch bezeichnen. Ich hatte keine Zweifel, bis zu jenem Auszug aus dem Elternhaus. Ich schrieb einen Abschiedsbrief an A. und P. S., gab ihnen diesen jedoch nicht, ließ ihn eine Freundin lesen, und nach diesem Auszug, als ich in dem Zimmer der Zweck-Wohngemeinschaft in ebenfalls Balingen, angekommen war, und sich die Bande zu beerdigter Mutter und räumlich distanziertem Adoptivvater zu lösen drohten, schlugen Zweifel und extreme Angstattacken ein, wie eine Bombe. Marihuana und Kitaro, sowie Meditation zu seiner Musik, halfen mir, meinen Schmerz und meinen Körper zu vergessen, doch es war natürlich abzusehen, zumindest nach heutigem Forschungs- und Wissensstand, dass das nicht lange gut gehen würde.
Nach außen hin – zumindest wurde mir das auf Nachfrage hin gelegentlich erzählt -, schien ich der Welt offenbar Gleichgültigkeit oder Gelassenheit zu vermitteln, im Inneren jedoch herrschte pure Verzweiflung. Stundenlanges, gelähmtes Sitzen in einem, vorm Sperrmüll geretteten roten, mit Ornamenten verzierten, edlen, aber durchgesessenen Sessel, war keine Seltenheit. Dazu die Suche nach einem Strick, auf jenem Speicher neben der Terrasse jenes Gebäudes, direkt an der Bundesstraße 27 in Balingen, auch nicht – diente wohl aber eher als Beschäftigungsmaßnahme und zum Lecken meiner offenen seelischen Wunden. Tötungsabsichten verfolgte ich tatsächlich nur vorgegebenermaßen. Ich wusste das im Grunde, wenn gleich dies bedeutete, dass ich nicht wusste, was ich tat. Aber einen zweiten, möglicherweise als Selbstmordversuch getarnten Hilfeschrei, wollte ich nicht begehen; diese Hoffnungslosigkeit und Sinnlosigkeit kannte ich bereits – außerdem war es natürlich zu riskant, tatsächlich dann auch sterben zu müssen. Alles was herrschte, war Selbstmitleid. Oder: Selbst-mit-Leid. So schlüsselte das die erste Psychotherapeutin meines Lebens, C. K., auf, schlicht und ergreifend. Wie ich zu ihr gekommen bin, kann ich nicht mehr sagen. Es ist einfach wirr und nicht chronologisch abgespeichert worden, natürlich aufgrund der psychischen Überbelastung, welche sich in Kürze zu einer schizoaffektiven Störung entwickeln sollte.
Es klingt jetzt vielleicht für den ein oder anderen an den Haaren herbeigezogen, aber tatsächlich war diese Störung meine Rettung. Mit meinem heutigen Erfahrungsstand kann ich mit Bestimmtheit sagen, dass eine Festsetzung der Angst, zu einer generalisierten Angststörung, wahrscheinlich mein Untergang gewesen wäre. Tatsächlich hatte ich solch eine solche sogenannte Generalisierte Angststörung, dann später in meinem Leben. Doch wenn ich bedenke, wie Psychiater mich zwanzig Jahre nach meiner ersten überstrapazierenden Angstattacke behandelt hatten (bis auf wenige Ausnahmen), und wie spät erst die Hirnforschung, Erkenntnisse dazu und darüber fand, und die Bernhardt-Methode deshalb entwickelt wurde, knirsche ich fast schon wieder mit den Zähnen.
Das ist mein Ernst, mir ist es lieber so, durch Angst und Trauer und Drogen und damit verbundene Überbelastung, in eine der schwersten psychischen Störungen überhaupt, hineingeschlittert zu sein, als in unserer Psychiatrie-Branche, zu jener Zeit, mit einer Generalisierten Angststörung zu leben. Vor sieben oder acht Jahren wurden aufgrund einiger findiger Forscherinnen und Forscher, die Karten neu gemischt, aber nicht auszudenken, wie es mir ergangen wäre, ein Leben zu leben, als junger, medizinisch unerfahrener Mann, sich Medizinern untergeordnet habend. Eine grauenhafte Vorstellung.
Es ist jetzt tatsächlich für Außenstehende wahrscheinlich nicht einfach nachzuvollziehen, wieso ich das schrieb. Es ist jedoch verständlicher, wenn man sich kritisch mit der Medizin- und Pharmabranche auseinandersetzt – und auch selbstkritisch sein eigenes Verhalten reflektiert und anpasst, wie man Ärztinnen und Ärzten gegenübertritt: Der Hintergrund sind die Medikamente, welche zur Behandlung von psychischen Störungen, wie Generalisierter Angststörungen und Panikattacken eingesetzt wurden und leider immer noch viel zu häufig, auch noch eingesetzt werden. Die Erkrankten sind meist soweit, dass sie nach jedem Strohalm greifen.
Es handelt sich um sogenannte Benzodiazepine, ein ziemlich katastrophaler Wirkstoff, der zwar schnell betäubt und somit lindert beziehungsweise Linderung vorgaukelt, doch nach kurzer Zeit von zehn, vierzehn Tagen bereits, abhängig macht, und außerdem die Persönlichkeit, zumindest bei Langzeiteinnahme und damit verbundener Sucht, verändern kann beziehungsweise dies tut; konkret: bei mir tat. Im Vergleich dazu stehen Neuroleptika, welche zur Behandlung eben von schizoaffektiven Störungen eingesetzt werden. Schizoaffektive Störungen bestehen aus einer Schizophrenie – in meinem Fall vermischt mit Paranoia – und einer affektiven Störung- also quasi einer bipolaren Störung, früher als manisch-depressiv bezeichnet. Hier ist allerdings anzumerken, dass, wie sich dies in meinen krankheitsbedingten Störungsepisoden beispielsweise zuträgt, ich also ohne ausreichende Medikation, in eine Manie abdrifte, und mit Vollgas durchs Leben rausche. Es geht dann weiter: Aufgrund der Schizophrenie verfalle ich dann zusätzlich dem Wahnsinn …. was aufgrund des bewussten Erlebens, und auch der späteren Erinnerung, durchaus unterhaltsam ist oder sein kann. Was allerdings spektakulär ist: meine Sensibilität zu Zeiten des Übergangs von einer Phase zur anderen.
Dann jedoch folgte meist eine Depression, allerdings erfahrungsgemäß nur dann, wenn man mir überdosiert – möglicherweise aus Gründen der Zeitersparnis oder weil man das innerhalb der Schulmedizin-Branche einfach so gelernt hat und daher auch so beibehält -, Neuroleptika verabreicht. Dies führt dann zu einem Absturz des Empfindens, und die darauffolgende Depression erstreckt(e) sich dann meist über drei, vier Monate, in denen ich mich dann meist allein oder mit psychotherapeutischer und ambulanter psychiatrischer Begleitung durchs Leben und die Gesellschaft kämpf(t)e. Zermürbend war das. Das braucht kein Mensch. Nur, um das einmal quasi auf der Zunge zergehen zu lassen, das ist dann eine stationäre Behandlung mit Medikamenten, welche umgehend zu einer weiteren, im Grunde viel gefährlicheren Erkrankung führt.
Ich möchte hier jedoch noch eine Besonderheit dieser Erkrankung, also, dieser psychischen Reaktion, erwähnen: Ich konnte in diesen kurzen Phasen der Transformation zwischen dem sogenannten gesunden Zustand und der krankenhaften Episode deutlich angstbefreiter und wesentlich ehrlicher zu meinem Umfeld agieren. Und das war eine irre wichtige Erfahrung für mich gewesen. Auch, da diese Familie und die Beziehung zu meinem Adoptivvater mich in tiefste Verwirrung gestürzt hat.
Nun, man kann sich an dieser Stelle schon die Zeit nehmen, ironischerweise, und sich fragen, wie soll man das alles ermitteln, und nebenher noch ein Leben führen? Man stelle sich vor, es werden Kinder geboren oder diese sind schon auf der Welt? Wer kann das leisten? Und wer traut sich dieses Durchpflügen des Lebens wirklich zu? Mehr Leute, als man denkt. Aber es entfremdet. Und es bleibt viel verbrannte Erde. Und, wenn man es sich leisten kann, dann bleiben die meisten Beziehungen auf der Strecke. Verständlich. Lernen wir doch, Gefühle in der Öffentlichkeit zu unterdrücken. Es ist kein Geheimnis, das dieses Konzept der eigenen persönlichen Entwicklung aber oft entgegenläuft. „Im Gefühlshaushalt schwankend“, wird werde ich dann bezeichnet, oder gar bedroht, mit Aussagen, wie “ Wenn Sie schreien, werden Sie fixiert.“ Glaubst du mir das? Kannst du dir das vorstellen? Oder hast du die Geschichte vom Patienten J. J. aus München gehört, der in einer Klinik fixiert wurde, und von einem Mitpatienten währenddessen sexuell missbraucht wurde? Ja, so ist die Branche: Geprüft, gepflegt, zuverlässig. Und von Studierten organisiert. Meist jedenfalls. Den Anfall von aufkeimendem Sarkasmus bitte ich zu entschuldigen, es ist im Moment fünf Uhr morgens, und ich habe den Tag noch vor mir. Und aufkeimender Sarkasmus lässt sich leichter verdauen, als herausbrechender Zorn, in Form von einschlagen auf einen Blech-Mülleimer. Wie bereits erwähnt, dazu sind sie da, deshalb heißen die so. Wobei natürlich, gelebte Wut kein Müll ist. Die Frage ist, wie es um Aggression bestellt ist …. war diese nicht auch eine Begleiterscheinung von Testosteron?
Aber jetzt mal ehrlich: wie soll ich reagieren, wenn mich ein Bereitschaftsarzt „behandelt“, nachdem er ausschließlich das Pflegepersonal befragt, dann überflüssigerweise zwei Beruhigungsmittel zwangsweise und gegen meinen ausdrücklichen Willen verordnet, und eine neunstündige Fixierung anordnet? Mehr noch, der den Fall in die Hände bekommende Staatsanwalt im Bezirk Niederbayern, dann meint, ja, den Umständen angemessen.
Okay. 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1, 0.
Teil 2
Fremde Frauen
Das erste Mal, dass mir klar wurde – allerdings sehr unbewusst natürlich – das Frauen anders sind, war, als ich mit drei oder vier Jahren, meine Sandkastenfreundin nackt sah. Das hinterließ Eindruck, den ich mir bis heute vor Augen führen kann. Dann herrschte lange Zeit Ruhe – wenn ich dieses vorlaute Mädchen im Kindergarten aus der Reihe heraus nehme, fremde Frauen oder Mädchen betreffend, welche bei mir Eindruck hinterließen. Es war S. K., mit der ich in die zweite, dritte und folgende Klassen gehen sollte, bis die Wiederholung der neunten dann zu getrennten Wegen führte. Sie rubbelte am ersten Schultag, an der Bushaltestelle in Haigerloch-Owingen, am hinteren Fenster des Passats, wo ich saß und überhaupt nicht froh war. Sie berichtete ihren Schulfreundinnen also in aller Frühe in dem tausend Seelen Dorf, „Ja, das ist der Neue.“ Später sollte mich ihre ungewöhnliche Art, die zu jener Zeit ebenfalls etwas vorlaut war, regelmäßig zu teils ausgeschmückten Fantasietrips anregen. Doch irgendwie war sie etwas bizarr, erfreute aber früh mein Herz für Außenseiterinnen und deren männliche Pendants.
Dann war da B. S., auch vorlaut, und gleichermaßen derb, wie S.. „Hose runter, Beine breit, ficken ist ’ne Kleinigkeit.“, rief ich ihr einmal mit acht oder neun Jahren hinterher. Sie erzählte dies brühwarm ihrem Vater, was dieser bei meinem Adoptivvater monierte. Dies sollte sich um eine weitere Bagatelle gut zehn Jahre später einmal wiederholen. Also, dies, der Weg einer Information. Landleben. Was soll ich sagen? Segen und Fluch.
Dann, ja dann, kam S. H. in der fortführenden Schule in mein Leben. Nicht wirklich natürlich, aber sie hatte es mir angetan. Das ließ ich sie nur nonverbal wissen, als ich ihr beispielsweise am Skilift in den Alpen bei einem Schulausflug einmal nachstellte, um den Sessel neben ihr nach oben auf den Berg im Süden der Nation, zu ergattern. Das ließ ich sie vor ein paar Monaten, als ich gerade für mehrere Wochen in Haigerloch und der Umgebung war, und ihr dort zufällig begegnete, auch wissen. Lustig war das, denn es war Schmeichelei und Denkzettel zugleich, da ihre Reaktion, also die Flucht vor mir in der Warteschlange, auf mein offen dargestelltes Begehren, das jähe Ende dessen bedeutete. Das war damals dann kurz und demütigend, aber endgültig.
Das schaffte Platz, denn es ging natürlich weiter, das Leben und die Schule sowieso. Eigentlich müsste man den Spruch erweitern: Die Schule, die Steuern und der Tod.
A. S., hieß sie, und das war inniger. Wir verstanden uns wunderbar, und hatten sogar ein paar Momente unter vier Augen. Sie trug schmeichelnderweise einen Tag lang, tatsächlich ein Hemd von mir in der Öffentlichkeit. Aber in jenem anderen Moment, in ihrem Zimmer, so mit zwölf oder dreizehn Jahren, so sehr berauscht ich auch war, von ihr, von diesem irren Gefühl, ich schaffte den nächsten Schritt nicht.
Nun fällt mir gerade ein, ich weiß wirklich nicht, wann und welches Mädchen ich als erste geküsst hatte. Seltsam ist das.
Nach A. und der unüberwindbaren Hürde, welche ja nicht meine letzte gewesen war, doch die erste bewusste, orientierte ich mich in die Kreisstadt Balingen und den Mädchen in dieser. Das heißt, ich umgarnte K.. Sie lernte ich in der Disco der Tanzschule Schwenzer kennen, und es entwickelte sich weiter, das oberflächliche Liebesspiel. Wir tanzten samstagabends engumschlungen Stehblues zu Pierre Cossos „Dreams“ und dergleichen, in einer Wolke des angesagten Duftes „Musk“ und knutschen an den darauffolgenden Tagen irgendwann in meinem Zimmer. Dort ging ich dann – einem gewissen Automatismus folgend – eine Spur zu weit, es schien okay offenbar, auch wenn sie den Weg nicht weiter gehen wollte, es war einfach zu viel gewesen; typisch Junge halt, würd‘ ich jetzt meinen. Auch dieses Prinzip sollte sich wiederholen. K. und ich waren jedenfalls aktiver, als ich in allen Beziehungen zuvor. Doch, nach einem gemeinsamen Tag in Stuttgart, wo wir mit dem Zug hinfuhren, musste ich die Reißleine ziehen: Auf der Rückfahrt konnte ich nicht mehr mit so viel Nähe umgehen, und fuhr räumlich durch eine Schiebetür getrennt, im zu ihrem angrenzenden Abteil zurück. Das wird sich nun wahrscheinlich jede und jeder mit ein bisschen Herz vorstellen können, dass das eine Katastrophe war, und natürlich das – leider – unausgesprochene Ende dieser Freundschaft bedeutete. Aber ich konnte nicht mehr. Es war ein Abgrund, und ich fiel mitten hinein.

E. M., ungefähr 1994.
Was dann folgte, artete zusehends in eine Tragödie aus: Ich lernte den Alkohol kennen. Keine halben Sachen. Bier war nicht so angesagt, in der Clique in der ich mich da bewegte. Wir tranken meist Wein, bei mir musste es dann meist die halbe Flasche auf ex sein. Nicht aus Suchtdruck etwa, wobei ich psychisch natürlich mehr als nur angefixt war, nein, natürlich war es auch Angeberei, ähnlich wie beim Rauchen. Eh klar.
Was dann kam, kann sich jeder denken: Als betrunkener Jugendlicher mit ebenfalls jugendlichen Mädchen herumknutschen. Ich stand zwar am folgenden Tag irgendwo vor einer Türe, wo die zweite D. in meinem Leben wohnte, aber ich hatte keinen blassen Schimmer, wie sie aussah und was mich erwartete.
So ging es weiter. Ich kann nun nicht alle Mädchen oder jungen Frauen aufzählen, manchmal ging es ja über einen Besuch bei ihnen daheim, oder vielleicht auch schon mal mehrere Besuche, nicht hinaus, – wenn auch hin und wieder nur platonisch orientiert – doch es zeichnet sich ja bereits eine deutliche und sich laufend widerholende Szenerie ab: Häufig wechselnde Affären, Alkohol, und ein Problem mit Nähe.
Was soll man da tun? Es ist schon ziemlich dramatisch: Das erste Mal küssen vergessen, und das erste Mal Sex mit einer Frau, auf einem Campingplatz am Bodensee auf einer Insel, mit S. S., in einem Zelt, bei welchem sie die Camperinnen und Camper, natürlich übertrieben inszeniert und künstlich stöhnend, wachhält, und wahrscheinlich auch amüsiert, …. und mein Halbruder, der jüngere von beiden, P. S., welcher neben uns schläft, durch den Lärm aufwacht, und verwundert fragt, „Was macht ihr denn da?“ Da muss doch keine Frage mehr beantwortet werden, oder doch?
Ich ringe nun schon etwas um meine, mir liebgewonnenen sanften Gefühle, aber innerlich ziehen sich mir die Eingeweide zusammen, wenn ich ich in diese Zeit eintauche – wenn auch nur gedanklich. Denn natürlich zeichnete sich da eine weitere emotionale Katastrophe am Horizont ab, und ich bewegte mich schnurstracks darauf zu. Wochen später, und wieder daheim, nahe den Felsen der Schwäbischen Alb, musste ich am Telefon erfahren, dass S. einen Freund hatte, mit mir fremd gegangen war, und ebenfalls vor mir die Flucht ergriffen hatte; „Sie hat Angst vor dir“, ließ mich ihre Mutter in jenem indirekt klärenden Gespräch wissen. Tja, was soll man machen? Zuversicht sieht anders aus. Doch ich besuchte sie hin und wieder. Das erste Mal, mit einer Frau Geschlechtsverkehr, was soll ich denn da machen? ha ha
Bewältigungsschwierigkeiten
Die natürlichen Grenzen höchstwahrscheinlich bewusst missachtend, marschierte er also in mein Zimmer. Das erste Mal, dass wir zusammen in diesem Raum, meinem dritten Kinderzimmer in diesem Haus, waren. Er betrat es ohne zu klopfen, daher diese Vermutung, der eben unterstellten und vorab berechnenden Haltung, mir gegenüber. Ich saß depressiv verstimmt vor einer Kerze, und blickte gedemütigt und verunsichert, in seine wirklich befriedigt funkelnden, dunkelbraunen Augen. Wir redeten etwas, ich weiß nicht mehr was, und er ließ mich wieder allein. Neunzehn Jahre alt dürfte ich da gewesen sein. Ich vermute es, aufgrund meiner Stimmung. Musik war seit jeher, das was mich am Leben hielt, und Pornografie – gewissermaßen. Sex hatte ich zwar schon gehabt, aber wie ihr eben schon lesen konntet, war das nichts erstrebenswertes für mich, das erste Mal war zwar stressfrei, aber mich beutelten Beziehung seit jeher.
Was mich offensichtlich seit Kindesbeinen begleitete, war eine Anpassungsstörung. Ein Symptom war dieses nächtliche Bettnässen, zwischen meinem fünften und zwölften Lebensjahr. Auch diese eben erwähnte, depressive Verstimmung aufgrund der Erkrankung meiner Halbgeschwister und meiner Mutter, zeichnete dies ab. Zudem lehnte ich Veränderung zunächst kategorisch ab, was dann auch dazu führte, dass ich Events, wie familiäre Unternehmungen ablehnte. Ich wurde dann zwar übergangen, und konnte mich dann irgendwie auch darauf einlassen, und die Momente phasenweise doch noch genießen, aber am Ende des Tages war ich geschafft. Das zeichnete sich in einem übermäßigen Schlafbedürfnis ab, und einem sehr niedrigen Blutdruck am Morgen danach, wie sich leider erst sehr viel später herausstellen sollte. Meine Mutter, die blöde Kuh, hatte mich aufgrund dieses Umstandes tatsächlich immer wieder mit einem Zahnputzbecher kaltem Wasser in mein Gesicht schüttend, geweckt. Was dann irgendwann zu heftigen Aggressionen meinerseits und gegen Sie führte. Aaah, brutal. Verdammt nochmal. Eine Tragödie, wirklich. Aber wir wussten es einfach nicht besser, was soll man machen.
Das Bettnässen war natürlich ein Problem. Nicht immer, nicht überall, aber meist schon. Alles mögliche wurde probiert, von tongebenden, elektrischen Unterlagen, über Windeln, bis hin zu Psychotherapie. Boah. Nicht auszudenken, was mir widerfahren wäre, wenn dies in der Schule bekannt geworden wäre. Doch in der siebten Klasse, im Schullandheim unter der Aufsicht von unserem Klassenlehrer Herrn Mayer, fühlte ich mich offenbar sicher und alles lief glatt. Auch wenn es andere Schwierigkeiten, wie einen Heulkrampf und einen wirklich heftigen Schlag ins Gesicht durch meine Mutter gab, als meine Familie mich dort besuchte, weil ich am Telefon zwar vorgab, dass sie mich gerne besuchen können, ich beide im Grunde aber nicht sehen wollte, und daher beim Besuch, zu welchem sie hundertzwanzig Kilometer durch Württemberg fahren mussten, eine schlechte Laune durch meinen Gesichtsausdruck widerspiegelte. Das war ein riesiges Problem natürlich; und emotional und auch sozial, im übertragenen Sinn sehr kostspielig natürlich.
Geschlagen wurde ich nicht oft. Es gab vier Ereignisse, wo meine Mutter dies tat, und vier Ereignisse, wo G. dies tat. Bei letzterem ging es teilweise wild zu. Aber ganz gleich, wie wild, er verletzte mich emotional nicht. Das ließ mich irgendwie kalt. Anders bei, von meiner Mutter natürlich. Diese war immer sehr emotional, und das letzte Mal ziemlich verzweifelt gewesen. Blickt man auf ihre Mutter, und deren gesamte Generation, ist das natürlich kein Wunder, vor allem, wenn der Sohn südosteuropäisches Temperament mit im Blut hat. Doch das ging irgendwie durch die Adoption durch G. unter, und sollte erst später in mein Bewusstsein vor- und auch gewissermaßen zurück dringen. Obwohl ich meinen angeblich kroatisch-stämmigen Großvater, glaube ich, nie kennengelernt hatte. Jadanić hieß meines Vaters Vater, Emma Krieber seine Mutter, ihre Nationalität war österreichisch, in der Nähe von Villach hatte sie gewohnt, in Bundesland Kärnten. Sie hatte ich kurz kennengelernt, leider zu einer Zeit, wo ich an Seniorinnen und Senioren noch nichts interessant fand. Sehr schade. Leider schlugen auch alle bisherigen Versuche fehl, zu dieser, meiner Familie Kontakt aufzunehmen, später zu Zeiten von sozialen Medien. Aber das liegt wahrscheinlich eher an den komplizierten Zustellungsmethoden dieser Nachrichten, wenn man wie bei der ersten bekannten Plattform, nicht befreundet ist. Also, sollte diese eben genannten Personen jemand kennen, lasst es mich bitte wissen. Ich beiße zwar hin und wieder, aber nur unter sehr außergewöhnlichen Umständen und wenn man mir vehement körperlichen Schaden zufügt; ich kämpfe wie ein Hund, ich habe diese lange beobachtet. Das Lachen bleibt mir nun im Hals stecken, wundert dich das, nach diesem Kapitel? Aber es ist vorbei. Das ist ein Trost, wenn auch einer der teilweise von leichter bittersüßen Wehmut umweht wird.

Später, ungefähr 2004.
Früher, ungefähr 1996. Mein Weg den Tod meiner Mutter anhand einer Zeichnung zu verarbeiten, begleitet von Led Zeppelins „Stairway to Heaven“.

Psychiatrie
Verblüffend sind die Unterschiede schon. Schwaben/Württemberg, Schwaben/Bayern, Oberbayern, Niederbayern, Paris, das sind grob aufgezählt die markantesten und über die Jahrzehnte verteilten Erlebnisse, Erfahrungen, schlicht: Aufenthalte in diesen – meist – Bezirkskrankenhäusern. 1995 zum ersten Mal, 2025 zum letzten Mal. Und natürlich spielt Geld die größte Rolle, je nachdem aus welcher Perspektive man blickt, oder – und jetzt tue ich mich wirklich schwer, die richtigen Worte zu finden, wen man anspricht. Ich meine, das Personal. Den Chefarzt sieht man nie, den Oberarzt ein, zwei Mal die Woche – je nachdem wie man die Einrichtungsgegenstände und das Pflegepersonal behandelt, die Assistenz- und Stationsärzte sieht man oft, und das Pflegepersonal täglich. Soweit ist das, wie in den körperlich orientierten Kliniken der Schulmedizin auch. Nun, gehen wir weiter? Wer trägt die Verantwortung auf einer Station? Unklar eigentlich, wenn ich so darüber nachdenke, aber wahrscheinlich der Stationsarzt? Oder doch der Oberarzt? Oder wie? Chefarzt? Oder doch die Stationsleitung? Hm. Seltsam. Weiter: Wer wird wie ausgebildet? Und wer hat Erfahrung und mit wem oder was?
Oh, ich finde hier keine Antworten. Ich kann nur in meiner persönlichen Erfahrung buddeln und Erlebnisse von allen Seiten versuchen zu beleuchten- ohne mein Leben aus den Augen zu verlieren. Eines ist jedoch sicher, je jünger die Klinikaufenthalte, um so schlimmer (zu ertragen) waren sie. Wenngleich sie immer kürzer wurden. Okay, da war mal ein halbes Jahr im Isar-Amper-Klinikum in Haar/Oberbayern, das kam allerdings nur zustande, weil ich parallel zum Einzug in die Klinik, mein Zimmer in der Wohngemeinschaft in München aufgab. So viel zu den Kosten des Gesundheitssystems. Schon klar, die Hand beißen, die einen füttert. Aber jetzt muss ich einen Schlussstrich ziehen, und etwas zurückrudern.
Es gibt eine grundlegende Erkenntnis: Gehe nicht in einem fremden Bezirk in die Psychiatrie. Eben aus dem Ärmel geschüttelt. Das ist so eine Erkenntnis, der Klinik-Aufenthalte, insbesondere der letzten Zeit. Natürlich herrscht auch Bürokratie in der Gesundheitsbranche, jede reflektierte Patientin, jeder reflektierte Patient weiß das. Was allerdings die Wenigsten wissen, und ich bin jetzt auch nicht sicher, ob dem noch so ist, aber früher wurden Patienten umher transportiert, um sie ins zuständige Bezirkskrankenhaus zu verfrachten. Das hatte so einmal zur Folge, dass ich aus Saarbrücken nach Augsburg transportiert wurde, um der Zuständigkeit genüge zu leisten. das ist Wahnsinn. Sinn machen würde da eigentlich mehr, dass man in das Bezirkskrankenhaus verlegt werden sollte, wo man aufgewachsen ist. Aber das ist utopisch gedacht.

1995
Ich vermeide es im Moment mich auf das Thema der Psychiatrien einzulassen. Einfach, weil das letzte Mal wirklich eine Katastrophe war. Ich möchte nun gar nicht anfangen, das Thema aufzuarbeiten – das überlasse ich – wenn sich jemand dafür entscheiden sollte, mir unter die Arme zu greifen oder der Sozial-Rechtsstaat einspringt – den Mitgliedern der Rechtsbranche. Aber es ist wichtig, dass darüber ein Dialog, ein Trialog entsteht: Patienten – Branche – Ministerien. Und ich werde diesen Samstagabend heute und jetzt wahrscheinlich für dieses Kapitel mit Zündstoff verwenden.
Es gibt ja keine Lobby für psychisch Angeschlagene, und dennoch Fürsprecher, in Form der Sozialverbände und Institutionen, wie den Krankenkassen, und darüber insbesondere der Medizinische Dienst. Nur ist das eine komplizierte Angelegenheit, und gestaltet sich äußerst schwierig – nicht nur jetzt beim Verfassen, sondern beim Angehen und Einfordern von Gerechtigkeit. Wo zieht man die Grenze zwischen Behandlung, und Willkür? Es ist ja nicht so, dass nun das falsche Bein fehlt, und wirklich jede und jeder Sehende sehen kann, das etwas nicht stimmt. Willkür, als Herangehensweise in einer Behandlungssituation, ist ja wiederum nun von mir eine Interpretation und ein Gefühl und eine Unterstellung gewissermaßen. Belegt sind Niederschriften von begleitenden mit mangelnder Ausbildung, fragwürdigen Persönlichkeiten, krankhafte, süchtige Menschen, die ihr Bestes geben, um sich einen Lebensunterhalt zu verdienen, oder noch schlimmer, nur helfen wollen? Von Intelligenz und Auffassungsgabe einmal ganz zu schweigen, das ist dann unfair teilweise, und würde gewissermaßen Verzweiflung und Hilflosigkeit entblößen. Ja, meine, unsere. Doch, das ist es ja. Einer gegen alle. Gefühlt. Und wieder diese Erinnerungen, Aussagen und Handlungen, die von Dritten gehört und beobachtet werden, bewertet und interpretiert, verarbeitet und verzerrt übermittelt werden, dem eigenen … ja was denn? Ja, Ego, untergeordnet werden, um dann zu herrschen, zu kontrollieren, heimzuzahlen, oder gar zu urteilen und zu bestrafen. Ist das noch nachvollziehbar für dich? Denkst du gerade, ich gehe zu weit? Hört sich das etwa, wie weiter oben schon einmal erwähnt, an den Haaren herbei gezogen an?
Tja, Willkommen in der psychosozialen Welt der Gesundheitsbranche. Ich schreibe das ohne Zynismus, sondern höchstens mit einem bitteren Beigeschmack. Natürlich ist das meine Sicht der Dinge auf Erlebnisse, die ich wahrgenommen habe. Doch unterm Strich ist es natürlich so, dass das alles sein muss, und dennoch so nicht geht. Wir können nicht zulassen, dass Menschen weg gesperrt werden, für Tage Wochen, Monate hauptsächlich sich selbst überlassen werden. Dann, aufgefordert werden, wenn sich etwas Widerstand regt und Frustration herausbricht, aus Verzweiflung genährt, diese Gefühle zu unterdrücken. Dann, wenn das nicht gelingt, mit Medikamenten ruhiggestellt werden, wo massenabgefertigte Überdosierung nicht wirkt. Ohne Programm, ohne seelische Zuwendung.
Ich erinnere mich noch an diesen Gesichtsausdruck, als zu x-ten Mal um die Vermittlung eines Telefonates bat, eben auf der dritten Station innerhalb von zwei Wochen in Mainkofen, in Niederbayern, und ich gefragt wurde, was das für eine Nummer sei. „Die Telefon-Seelsorge“, meinte ich lakonisch. „Die armen Frauen, müssen in Bildschirme schauen.“, fiel mir ein anderes Mal zum Verhalten des Pflegepersonals ein. Man kann wirklich nur hoffen, dass die totale, durch künstliche Intelligenz gesteuerte Videoüberwachung in Psychiatrien bald Einzug hält, damit sich das Pflegepersonal den Menschen zuwenden kann.
Nun, allein gegen alle? Hm. Na, ganz allein bin ich nicht, ich habe vierhundert Seiten Krankenakte, einen Zeitraum von vierzehn Tagen betreffend; na, einige Seiten sind nur spärlich gefüllt. Ich scheue mich wirklich, da alleine rein zu schauen. Du fragst dich jetzt vielleicht, warum? Hm, schau dir dann bitte den deformierten Metall-Mülleimer in meiner kleinen Küche an. Was das zu bedeuten hat? Tja, Gefühle, die nun einfach raus wollen. Und manchmal hilft nur rohe Gewalt. Allerdings auch nur gegen Mülleimer. Dazu sind sie da, deshalb heißen die so. NA gut, es geht auch charmanter: Mistkübel nennt man die Dinger in der Heimat meines Vaters.
Harald und ich, Mitte der 1990er Jahre in Württemberg

Fremde Frauen (II)
Nach dem ersten Mal Sex auf der Insel Reichenau und der Affäre mit S. S. in Konstanz war lange Zeit Ruhe, was Beziehungen zu Frauen anging. Eine Cousine, K. M., einer Klassenkollegin kam gelegentlich mal zu Besuch aus Norddeutschland zu Besuch nach Haigerloch, und das war eine Romanze, die es in sich hatte. Keine halben Sachen. Sie war auch einmal bei mir daheim, und ich kam sexuell wirklich in Bedrängnis. Wir knutschen auf meiner Matratze herum, und tatsächlich bekam ich nur dann eine Erektion, wenn wir das Geknutsche auf den Balkon an meinem Zimmer verlagerten. Ein Drama. Es ging nicht lange gut, und eines nachts, es war eine Silvesterparty in Hechingen, sie war wieder einmal zu Besuch, doch es tat sich ein weiterer Abgrund auf, und fiel hinein und versuchte meinen Kummer in Alkohol zu ertränken, und verhielt mich zusehends, wie die Axt im Walde. Will sagen, ich sprengte fast die Party, jedenfalls sorgte ich für die emotionale Untermalung. Und Sachbeschädigung. Es sollte den Abschied von der Clique in Hechingen einläuten. Und K. M. sah ich nie wieder. Später dann auf Facebook gab es einen Kontakt, doch das war es dann.
Es folgte wieder eine lange Pause, und dann aber der Kuss meines Lebens, L. K. aus und in Gammertingen. G. nahm diese Beziehung zum Anlass, sich wieder einmal einzumischen, und mich etwas vorzuführen. Das sah dann so aus, dass er sich unter vier Augen mit L. K. unterhielt, und dann wohl oder übel feststellte, dass die Beziehung am Scheitern war, und mich dann aber wissen ließ, dass er diese junge Frau für die richtige Wahl hielt. Nadelspitzen.

L. gab sich Mühe mich zu halten. Sie erzog mich etwas, zumindest forderte sie mich auf, nach dem ich stundenlang im Tropicana getanzt hatte, und mit ihr danach rummachen wollte, zu duschen. Aber es ist das Minenfeld der übermäßigen Nähe gewesen, welches mich nach meist drei oder vier Wochen Beziehung zu Frauen, auf endgültigen Abstand gehen ließ. Niemand verstand das. Niemand? Na, ganz so sicher bin ich da jetzt nicht, aber wenigstens verstand es von den direkt Beteiligten offenbar niemand.
Die Frau meines jungen Lebens, war – auch wenn es die „ungelebteste“ Liebe für mich überhaupt war, D. A.. Wir lernten uns im 1996 im Delta Tau Chi – The Animal House in Donaueschingen kennen. Ich erinnere mich nicht mehr, wie genau. Alles was ich weiß und nachempfinden kann, ist zwischenmenschliche Wärme. Wir konnten stundenlang miteinander reden, dabei mit dem Auto übers Land fahren, zu den Klängen von Depeche Mode. Kein Aber, aber dann ….
Als das Chaos sich lichtete, blieb die Erinnerung, andauernd genährt von der Sehnsucht, nach dem Gefühl von inniger Geborgenheit und dem Gefühl, verstanden zu werden. Es war dann aber auch das erste und letzte Mal – zumindest gefühlt – dass ich erst eine Frau verlieren musste, um festzustellen, dass ich sie liebte. Verliebt, ein Zeichen für diese immense Anstrengung, andauernd über mehrere Jahrzehnte hinweg, meine Gefühle zu unterdrücken, war ich dann erst letztes Jahr, wo sich der Knoten dann endgültig löste, und ich endlich Abschied nehmen konnte. Meine Güte. Wäre es nicht längst so weit gekommen, es wäre zum wahnsinnig werden gewesen.
–
Das sollte es dann für lange Zeit gewesen sein, mit der Liebe. Was dann kamen, waren Affären, One-Night-Stands, Angstbündnisse, Liebeleien, um mal dieses Wort am Leben zu erhalten. Diese tiefe Verbundenheit wie zu D. erlebte ich bis Herbst 2024 nicht wieder. Frei lieben konnte ich da dann zwar auch nicht so recht, irgendwie waren die Umstände hochkompliziert und sehr problematisch – von möglichen Steinigungen in der Heimat war da die Rede beispielsweise -, und ich war emotional immer noch vor G.s Wagen gespannt, doch mit einem Fuß stand ich in emotionaler Freiheit. Das ist vergleichbar, mit einem Schwall Wasser, der sich unaufhaltsam im freien Fall eines Wasserfalls befindet. Der Aufprall sollte ja dann auch folgen, nach diesem tiefgreifenden Intermezzo mit M. H..
Es war vergleichbar mit dem Kennenlernen von K. H., im Winter 2003 hier während meiner ersten Tage dieser Wahlheimat München. Ich warf aus dem, diese kleine Klinik Menterschwaige erreichenden Taxi einen Blick auf die, in einen dunklen Schurwollmantel gehüllte Frau, und dockte sofort an. Ein Angstbündnis nennen es die Ärzte dieser Klinik, der Fachrichtung Dynamische Psychiatrie. Ja, ich stimme zu, Angstbündnis traf zu, doch eines, welches sich transformieren ließ. Es lief weiter, auch nach unserem beider Ausscheiden aus dem stationären Klinikaufenthalt dort. Dennoch, über ein für beide zwar über beide Ohren verliebte Zweckgemeinschaft, lief es nicht hinaus. Wir hatten eine große Gemeinsamkeit: Wir wuchsen beide seit Ende der siebziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts in Stuttgart auf; das vereinfachte die Kommunikation. Und nach heutigem Wissensstand, ging es sogar noch einen Schritt weiter, wir hatten offensichtlich beide einen Narzissten und kontrollsüchtigen Mann alias Vaterfigur in unserem Leben. Das ebnete den Weg für ein tieferes Verständnis.

K. H. 2004.
Die intime Beziehung zu K. H. sollte die längste in meinem bisherigen Leben werden, die offiziell von mir geführt wurde. An zweiter Stelle steht da M. L., die ich noch zu meinen Augsburger Zeiten führte, und die ein sehr spannendes Thema in sich trug: Sie war alleinerziehende Mutter von M.. M. war damals zwei Jahre alt und sollte mich lange beschäftigen. Es ist schwierig, diese Beziehung zu beschreiben, es vermischen sich viele Familientraumata, welche sich gar nicht auflösen lassen wollten, da offensichtlich alle Beteiligten sämtliches Fehlverhalten innerhalb der Sippe tolerierten und ignorierten, was sich bis in unsere Story hineinzog natürlich, doch platzte in dieser Zeit an der ein oder anderen Stelle das Band, welches die Verbrechen – ja, wie kann …. – unter dem Teppich halten sollte. Ich hoffe, es geht dir gut; euch beiden. Es war wirklich schwierig diese Beziehung zu verarbeiten. Ich meine nicht die zur jungen Mutter M., und deren Familie, nein, ich schaffte Raum zwischen uns, und es ging ja auch nice über ein Zweckbündnis hinaus. Ich meinte soeben die Beziehung zum Kind. Diese Auflösung brauchte mehrere Jahre, und brachte mich dazu, mich auf keine intime Beziehung zu Müttern mehr einzulassen. Es knirschte lange emotional. Und die katastrophale, durch die Familie vollzogene Trennung im Hintergrund und Vortäuschung falscher Tatsachen, tat das ihre dazu. So viel dazu.
–
Fremde Männer
Bestimmt eine halbe Stunde lang musste ich kichern, nachdem ich ziemlich verärgert den beiden Polizistinnen klar gemacht hatte, dass dies Anliegen, welches sie bemüht waren, aufzuklären, ein Missverständnis war. „Ich will nichts mehr hören“, meinte ich nahezu wütend über so viel Missgeschick und entfernte mich. Vierzig Jahre Freundschaft beendet. Oder doch nicht? Es ist kurios. Ach, B.. Mal sehen, wie es mit uns weiter geht. B. L. ist eine Seele von Mensch, und umtriebig. Wir hatten eine Menge erlebt, und manchmal waren auf Entschuldigungen erbeten worden, gegenseitig. Doch, ob das ausheilen kann? Verletzt bin ich nicht, das ist schon mal viel wert, es ist halt eine verfahrene Situation. Aber ich will sie hier nicht aufarbeiten. Ich bin mehr als sein Freund, tatsächlich bin ich im Lauf der Zeit, Freund der Familie geworden, auch wenn mir nicht jedes Mitglied dieser vertraut ist. Manche werden das kennen. Der Altersunterschied war damals schon auffällig groß, sieben Jahre, und wir stehen auch an unterschiedlichen Ufern, wenngleich das nicht bedeutet, dass diese Ufer nicht auch – einmal – eine Verbindung hatten. Es ist interessant gewesen. Und natürlich außergewöhnlich. Und viele Erlebnisse sind natürlich nur auf seine finanzielle Freiheit zurückzuführen gewesen. Das stand irgendwie im deutlichen Kontrast zum sonst so beschaulichen und sehr ruhigen Dorfleben. Die Freundschaft bleibt spannend, so viel ist sicher.
Das es auch anders geht, habe ich vor dieser Begegnung erfahren. Glücklicherweise war das zu einer Zeit, da ich noch nicht alles, was ich erlebte auch noch speicherte, was möglicherweise der Art des Erlebten entsprach. Fachleute sprechen da gerne von „abspalten“. Für meine Begriffe ist das etwas zu abstrakt, mit dieser Metapher kann ich wenig anfangen; was wiederum auch an der Art des Ereignisses liegen mag. Was genau ich da erlebt hatte, weiß ich nicht mehr genau. Doch es gab zwei psychologische, also mentale Durchbrüche: Einmal als schemenhafte, vage Erinnerung in Form eines emotionalen Prozesses, fünfundzwanzig Jahre später, …. und natürlich Selbsterkenntnis, in dem ich Handlungen, die ich quasi im stillen Kämmerlein mit und an mir selbst durchführte, und aufgrund derer sich der Verdacht erhärtete, dass ich da zwanghaft etwas wiederhole, um frühkindliche Erlebnisse zu verarbeiten. So bleibt die annähernde Erkenntnis und die Selbsterfahrung, der endgültige Beweis allerdings bleibt verschollen. Jedoch, müsste ich den Restzweifel benennen, so würde es sich gegen null im Promillebereich bewegen.
Die Tagespflegefamilie, die ich da aufsuchen musste, und bei der sich allerhöchstwahrscheinlich dieser unsägliche sexuelle Missbrauch zugetragen hatte, befand sich in Stuttgart-Birkach. Tatsächlich scheint diese Frau L., dort immer noch zu leben, ihr Sohn, C., arbeitet offenbar für eine Bank. So viel ließ sich im vergangenen Jahr ermitteln, als ich eine virtuelle Reise in diese Ecke des Landes, dieser Stadt, unternommen hatte. Nervenaufreibend war das schon. Und so ganz bin ich diese überlebens-notwendigen Reaktionen auf diese Kette von Ereignissen auch nicht losgeworden bisher, wenngleich sich der Aufwand der letzten Jahre, und diese zwanghaften Wiederholungen gelohnt hatten. Es ist wie beim Häuten: Es dauert eine gewisse Zeit, es ist ein Kraftakt, man hat keine Hilfe, höchstens Hilfsmittel, und es ist unumgänglich, wenn man sich weiter entwickeln will.
Es ist vielleicht schon so, falls etwas dran ist an diesem Konzept der Wiedergeburt, und an der Theorie, dass man Altlasten aus vorigen Leben, eben ins aktuelle aufgebürdet bekommt. Eine mögliche Erklärung dafür, dass ja nach der Tortur in jenem Viertel der schwäbischen Landeshauptstadt, das Spiel nicht zu Ende war, sondern nur die Gegenspieler ausgetauscht wurden, und folglich Bereiche abgedeckt, die nur mit Präzision und allerdings weitaus berechnender Niederträchtigkeit, erreicht wurden. Psychische Körperverletzung, nennt man das im Fachjargon. Doch es ist ein ähnliches Spiel, wie bereits erwähnt, auch daran zu erkennen, dass wiederum zwanghafte Verhaltensmuster durchgeführt wurden, um den Stress zu bewältigen, der endgültige Beweis jedoch in emotional verankert, in meinem Seelenleben zu finden ist. Ausschließlich. Fast. Um ein Haar wäre ich komplett mit leeren Händen dagestanden. Allerdings gelang es mir, letztes Jahr Beweise zu sichern. Das ist eine große Erleichterung, und diese tragen trotz aller Widersprüchlichkeit, zum Heilungsprozess bei. Das ist der Vorteil an langen, toxischen Beziehungen, (vermeintliches) Vertrauen fließt in beide Richtungen.
G. war eine Herausforderung, so viel ist sicher. Und ich sehe im Geiste nun in nahezu tote, zumindest jedoch böse schwarze Augen funkeln, erinnere mich dann aber auch daran: Es ist eine psychiatrisch diagnostizierbare, psychische Störung die ihn Zeit seines Lebens zu dem gemacht hat, wer er ist.
Was den Rest der Familie angeht, müssen die Karten natürlich neu gemischt werden. Jedoch bleiben die Karten dieselben, wenngleich das Spiel ein anderes ist. Ich kann mich auch hier nur ermahnen, um von übertriebener Härte abzusehen, denn diese Menschen, also meine vier Halbgeschwister, wurden ihr Leben lang manipuliert, „gegen mich“ erzogen und die beiden jüngeren sind nahezu bis verschwindend gering, ohne den bewussten Einfluss unserer Mutter aufgezogen worden. Dennoch bleibt natürlich die jeweilige Selbstverantwortlichkeit. Die könnt ihr nicht abgeben, das muss euch doch klar sein. Und auch, wenn ihr das nicht wahrnehmen können werdet, das war schon wieder eine entgegenkommende Geste meinerseits.
Genug davon.
–
Teil 3
Jenseits von Gut und Böse
Es ist ein riesiger Vorteil, aus einem Leben eine Autobiografie zu verfassen. Nicht im Vergleich zu gar nichts, das sowieso, seit dem Internetzeitalter gibt es das wahrscheinlich so gut wie gar nicht mehr, dass von jemand keinerlei Notiz genommen wird; nein, ich meine im Vergleich zu einer Biografie, durch eine(n) Dritte(n) erstellt. Hier, wie du eben feststellen konntest, ist der innere Prozess stets aktiv und quasi am köcheln, und es findet direkt ein, wenn auch bis auf weiteres ein einseitiger Dialog statt. Das ist schon eine Hilfe, um vorwärts zu kommen, wenn auch die Absicht und das Ziel „Loslassen“ ist.
Loslassen, ja, das ist richtig gut. Es sammelt sich im Laufe von mehreren Jahrzehnten doch eine Menge an, nicht nur an Gegenständen. Früher, also vor hundert oder hundertzwanzig Jahren, hatten die Menschen hierzulande an die hundert Dinge. Mittlerweile sind es tausend oder mehr im Schnitt. Angeblich. Natürlich ist eine große Hilfe, auch mal auszusortieren, nach so langer Zeit, also, Gegenstände, Beziehungen, unverarbeiteten Erinnerungen. Deshalb ja auch die Reduzierung des Freundeskreises durch fortschreitende Reflektion und persönliche Weiterentwicklung. Wir wollen nicht mehr haben, an Dingen, an Konflikten und Aufregungen. Verständlich und nachvollziehbar. Wir leben unser Leben, es ist eine Freude zu sehen, wie viele Kinder gesund aufwachsen, auch wenn die Technik überhandnimmt. Bitte versteh mich nicht richtig, als Instrument oder Werkzeug ist diese natürlich nützlich, doch sie wird wohl mittlerweile als Suchtmittel und Ersatz eingesetzt, was doch bedenklich scheint, und daher sind solche Wege, wie sie die Regierung von Australien zu Beginn dieses Jahres 2026, eingeschlagen hatte, Soziale Medien für Kinder und Jugendliche zu verbieten, unterstützenswert, wie ich finde. Nun ist das ja nicht der einzige Wendepunkt unserer Gesellschaft. Die Globalisierung. Die Bewegungsarmut. Weit verbreitetes Übergewicht. Der Alkoholkonsum. Das Rauchen. Die Drogen. Grenzkonflikte. Aber es wird gelöst werden, davon bin ich überzeugt.
Als ich einmal mittelgradig schizoaffektiv durch Augsburg marschierte, und die Frau eines Lokalpolitikers in einer Gaststätte kennenlernte, und sie mir erzählte, dass ihr Angetrauter Sicherheitsfragen diskutieren würde, meinte ich, das macht nur Sinn, wenn man sich selbst schützen kann. Nun, wie ist das bei dir? Kannst du dich selbst schützen? Kannst du drohende Gefahren erkennen und abwenden, hereinstürzende Konflikte bewältigen, und zwar nicht nur durch rohe Muskelkraft, sondern insbesondere durch Technik und List? Ja? Sehr gut. Ich vermute allerdings, dass der Großteil hier länger nachdenken müsste, und wahrscheinlich vorher das Buch weglegen will. Danke, dass du weiterliest.
Es ist ganz einfach: Der Nutzen der Globalisierung ist ja nicht nur materiell spürbar, sondern insbesondere durch Vermischung der Kulturen greifbar. Meine Mutter hatte damals, als wir zu zweit in Stuttgart wohnten, ein Buch über Jiu Jitsu im Regal, welches mich maßgeblich beschäftigt hatte. Stundenlang saß ich da, und studierte die Haltungen, die mir natürlich zu jenem Zeitpunkt noch nicht viel nützten, doch den Weg bereiteten, um später und heute selbst in der Richtung aktiv zu werden, und zu wirken. Wie das konkret aussieht? An der Bushaltestelle baggert ein Mann eine Frau an, etwas geübt in der Kommunikationsfähigkeit, wie ich sie Frauen unterstelle und denke, von diesen gelernt zu haben, bewege ich mich unterbewusst im Dunstkreis des Geschehens. Es geht weiter, ich verwickle den jungen Mann in ein Gespräch, nachdem sich das Mädchen endlich etwas räumlich distanziert hatte. Wo er herkommt, ich kenne seine Sprach nicht. Wo seine Freundin ist, und so weiter … und lasse dann wieder los. Es geht aber im Bus weiter: Der Mann lässt das deutlich jüngere Mädchen nicht in Ruhe. Ich beobachte weiterhin, höre zu, bleibe in der Nähe, im spärlich besetzten Bus. Zuvor hatte ich einen Blick auf sein Smartphone-Display werfen können, welches er dem Mädchen, welches möglicherweise aus seinem Kulturkreis kommen könnte, jedoch eine andere Sprache zu sprechen scheint, hinhält, damit sie die Übersetzung durch die App lesen kann. „Warum bist du so traurig?“, steht da zu lesen. Er nähert sich ihr erneut an, ich habe genug gesehen und sage zu ihm, „Sie ist zu jung für dich.“ Nicht, weil nur ich das meine, sondern weil sie um die vierzehn, fünfzehn Jahre scheint, und er bestimmt an die zehn Jahre älter. Er gibt mir recht, in dem er nickt und die vergebliche Mühe einsieht und zieht sich zurück.
Es geht nicht darum, jemandem vorzuschreiben, was er zu tun hat, weißt du, was ich meine? Es geht darum, korrekt zu sein, wahrhaftig dem Unterbewusstsein und der inneren Stimme zu folgen, und sich um Menschen zu kümmern. Wo hätte uns ein Verhalten von mir hingeführt, wenn ich mich womöglich zu Beginn der Ereignisse an der Bushaltestelle zwischen die beiden gedrängt hatte, weil ich mich in der Pflicht eines Gesetzeshüters gesehen haben könnte? Oder vergleichbares. Ich zeigte nur Präsenz und beobachtete und begleitete. Und als sich der Verdacht erhärtete, dass weder er lockerlässt, noch sie sich wehren kann, griff ich behutsam ein, und appellierte durch korrektes Verhalten an seine Korrektheit. Deswegen ist es wichtig behutsam vorzugehen, um zu verstehen, wie beide ticken. Ist das ein Plan, um mich in einen Konflikt oder Überfall zu verwickeln, ist er auf Drogen oder betrunken, kann sie sich selbst verteidigen, all sowas muss bedacht – erfühlt -werden, wenn man nicht auf ein Unheil zu steuern will. Das kann man lernen. Und praktizieren. Ein Weg das anzugehen, ist asiatische Bewegungslehre und Medizin, und dann selbstverantwortliches Handeln und Reflektieren, um zusehends im Moment verweilen zu können, und nicht konstant von Sehnsüchten geplagt zu werden. Es ist in der eben geschilderten, längeren Situation keine Hilfe, wenn ich seine Versuche, dem Mädchen näher zu kommen, untergraben will, um dann selbst zu punkten und ihr näher zu kommen. Das dürfte jeder verstehen, der bei Verstand ist. Und wenn Süchte, auch psychischer Natur im Spiel sind, dann wird es schnell gefährlich. Und dann helfen die Techniken der asiatischen Bewegungslehre, Yoga reicht dann womöglich nicht aus. Es ist zwar eine Hilfe, wenn es darum geht, sicher aufzutreten und allein dadurch abzuschrecken, dass man eben nicht zurückweicht, doch kommt es zum Fall der Fälle, ist Technik gefragt und nicht zwingend nur Muskelkraft. Und deshalb sollten wir alle – insbesondere Frauen – die fernöstlichen Techniken (immer weiter) lernen und studieren. Auch wenn es befremdlich wirken mag für die Anfangszeit, und zunächst kein tieferer Sinn ersichtlich. Wobei ich mir letzteres nur schwer vorstellen kann, vor allem wenn ich da an den Song von Céline und Paula Hartmann denke, der ja ein bereits seit tausenden von Jahren herrschendes Problem thematisiert; „3 Sekunden“ meine ich.
Nun, zuletzt hatte ich insbesondere Frauen und solche, die welche werden wollen (würden), angesprochen. Wie sieht es um uns Männer aus? Angeblich geht der Schaden, der von Selbstüberschätzung ausgeht, geschätzt in die Milliarden. Und wenn es um bloße Kraftanstrengung geht, sehen wir im Spiegel auch meist ganz gut aus. Nur machen wir gelegentlich einen Fehler, wir kennen uns zu wenig. So, beispielsweise in Stresssituationen. Berichten zufolge starren wir dann auf unsere Widersacher, was manche schon als „Blick-ficken“ bezeichnen sollen, und sich daraufhin schon angegriffen fühlen. Nun, geht so ein Konflikt in die nächste Runde, stehen wir, je nachdem aus welchem Kulturkreis der Mann kommt, vor einer großen Unbekannten, und das sieht dann so aus, dass manche Iraner beispielsweise Karate in der Schule lernen, manche Russen ihre Freunde holen, manche Araber völlig austicken und sich überhaupt nicht mehr beherrschen können, und dann ist guter Rat teuer, Handlungsgeschick unbezahlbar. Was bringt mir dann ein virtueller Chatpartner, die Affäre in der Nachbarstadt, wenn ich alleine unterwegs bin. Hast du dich auch schon mal gefragt, wer dir im Dunkel entgegenkommt, und ob der den kennt, der da hinter dir ebenfalls in diese Straße eingebogen ist? Zugegeben, jetzt wird es paranoid, na, das Risperidon wirkt schon noch, bei mir ist die Welt in Ordnung; das war jetzt auch mal ein Sinneseindruck aus einer paranoiden schizoaffektiven Phase, in einer Situation nachts um elf in einer Seitenstraße in München Stadt. Aber wie geht es dir gerade? Wie fühlst du dich im zurzeit, und was denkst du jetzt im Moment?
Alles gut, ist ja bloß ein Buch, wenn es dann aber ein Film wird, greift dein Freund oder deine Freundin im Kino vielleicht jetzt gerade nach deiner Hand. Wer weiß?
–
Ankerplatz gesucht
Ja, die Populisten, die machen jetzt weiter. Die kennen kein Pardon. Danke, Mutti, dass du mich so wirklich erzogen und geleitet hattest. Deine Fehler habe ich gespürt, deine pauschale Entschuldigung habe ich zur Kenntnis genommen, das Feedback dazu konnte ich dir allerdings ja nicht mitteilen. Gottes Wille? Teufels Wille? Schicksal? Die Ahnen? Da ungefähr waren wir ja schon einmal, weiter vorne, ich erweitere nun den Kreis. Es ist das Rätsel schlechthin, aber wir machen was wir wollen. Und ich will Richtung Sizilien. Kein One-Way-Zugticket, wie im Traum, diese Reise mit meiner potentiellen Frau nach Japan zu unternehmen und dort dann den Lebensabend zu verbringen … nein, vielleicht ist das zu viel, und zu weit, und zu umständlich. Von München aus in vierundzwanzig Stunden, zuerst mit dem Nachtzug nach Rom, dort einmal umsteigen, indem man den Bahnhof wechselt, und vielleicht doch eine Nacht direkt in Italiens Hauptstadt verbringt … und dann weiter nach Sizilien. Wo genau hin, das verrate ich hier nicht. Bitte um Nachsicht, nur eines verrate ich als Tipp: Die Dokureihe, „Die Welt der Gewürze“ als Inspirationsquelle. Und dann ein bisschen ankern, ein bisschen genießen, ein bisschen arbeiten, leben eben, dolce sowieso. Wahrscheinlich kichern jetzt Italienerinnen und Italiener. 😀
Also, so einen alternativen Ankerplatz wünsche ich mir für mein Leben sehr. Nachdem ich den Beginn meiner Kindheit in einer Großstadt zugebracht hatte, und dann die darauffolgende Zeit auf dem Land, wenn auch nun nicht wirklich abseits vom Leben, so weiß ich beides zu schätzen. Auch die sechs, sieben Wochen in Pemmering neulich, in einem Airbnb-Zimmer, waren sehr angenehm zur Abwechslung, und zeigten mir, dass ich das gelegentlich brauche, und nicht zwingend immer mit konkretem Auslöser, wie zu jener Zeit. Wald und Wiesen, oder das Meer und ein Vulkan.
Dazu braucht es natürlich Geld. Geld ist mir nicht so wichtig, obwohl ich es auch gerne verdiene, und gerne auch ausgebe. In gewissem Rahmen sind Rücklagen dann natürlich auch entspannend. Das ist ein bisschen in Schräglage gekommen, wobei die Formulierung „ein bisschen“ etwas untertrieben ist. Diese emotionale und auch bis heute andauernde finanzielle Abhängigkeit von G. und der öffentlichen Hand tat das ihre dazu bei, und ich fügte mich meinem Schicksal. Nun unternehme ich seit ein paar Jahren wieder kreative Anstrengungen, um die Abhängigkeit zu verlagern, und zu verteilen. Unabhängig ist man ja nur, wenn man wirklich hohe Rücklagen erwirtschaftet – oder geerbt hat, Immobilien besitzt und solche Dinge im Hintergrund für eine gewisse Sicherheit sorgen. Dieser Zustand des ewigen Geldflusses sollte nicht versiegen, so zumindest plane ich das für mich, was auch heißt, ich werde bis zu meinem Ableben arbeiten (was in meinem Fall so viel heißt, wie leben), doch die Frage ist wirklich, wie viel Besitz guttut. Vielleicht ist das auch eine Frage der Haltung und Einstellung. Was kann man schon besitzen, außer sein Leben und Humor? Nun ja, Du weißt vielleicht, was ich meine, es geht darum Ruhe ins Leben zu bringen, wobei eben die Frage ist, ob Kontrolle und – jetzt nenn ich es einfach mal so – Besitz von materiellen Gütern, Ruhe bringt, oder ob es dann nur noch darum geht, Mauern zu bauen und zu schützen. Gerade wieder in Pemmering wurde das größte Grundstück in der Straße von zwei aggressiven Hunden gesichert. Sowas würde für mich natürlich gar nicht gehen. Sollen Sie machen, aber dann lieber bescheiden und verdeckt leben, weißt du was ich meine?
Na gut.
Fremde (Ex-)Paare
U. W. war eine der wenigen Frauen, welche die Initiative ergriff, wenn es auch ein bisschen holprig dabei zu ging. Sie passte mich im Tropicana, in Albstadt-Ebingen, spätabends auf dem Weg zur Toilette ab. Sie – so viel weiß ich heute darüber – suchte eine Rebound-Affäre, und wir vögelten eine Zeitlang, zum Kummer ihres Exes H. H. einmal in deren Bett – sie wohnten noch zusammen. Es ist aber schon so, dass wir heute wieder Kontakt haben, irgendwie – aus mir noch unbekannten Gründen – griff ich den Kontakt neu auf. In Zeiten von Sozialen Medien nun ja nichts Ungewöhnliches, doch der Dialog zeigt mir Rätsel auf.
Mit ihrem Ex, ich erwähnte ihn ja, freundete ich mich an. Er ist auch ein ungewöhnlicher Typ, und ich mag ihn immer noch, auch wenn der aktive Teil unserer Freundschaft aufgrund meiner damals jugendlichen Härte eines Tages dann auch jäh zu Ende war. Aber solche Verhaltensweisen, wie mich am Arbeitsplatz zu besuchen, um zu sehen wie es mir während einer depressiven Phase so erging, fand und finde ich toll.
Ein weiteres Paar, wo ich mit meinem Penis wohl für Trennungsabsichten des Mannes sorgte, folgte kurz darauf, ebenfalls in Balingen. Ich weiß nicht mehr, wie die beiden hießen – ich vermittelte ihnen einen Mobilfunkvertrag über mein damaliges Promotion- und Beratungs-Gewerbe – doch es führte letztendlich dazu, dass sie sich nackt auf meinem Bett nieder und dann den Dingen ihren Lauf ließ.
Ein drittes Mal, als ich mich bei einem Paar einmischte, war meine Entscheidung vordergründig. Ich konnte das nicht mit ansehen: Ein ebenfalls junges Paar mit Kind, er offenbar häufig am Kiffen und ihrem äußerst lebendigen Kind ständig in der Wohnung das Spielen und Erkunden verderben. Außerdem meine Intuition. Und dann natürlich meine Libido, die zwar durch die seit über zehn Jahren an mir klebende Sexsucht, ebenfalls in Schräglage war, doch dies war mir noch nicht klar, und im Alltag setze ich meine Körper auf verschiedenen Ebenen ein, will sagen, das war die Zeit, in welcher ich in Augsburg zwanghaft sexuell ausgerichtete Angelegenheiten wiederholte, wie ich sie in eben als Kind – wie ich es weiter vorne schon beschrieb – wiederholte. Ich ruderte durch meinen Alltag, wie ein getriebener, doch ich nahm sie – die junge Deutsch-Türkin – für ein paar Stunden mit in meine Welt. Sie nahm an und es reichte, um ihr Leben auf den Kopf zu stellen, und – zumindest meiner Ansicht nach, einiges wieder zurecht zu rücken, zumindest jedoch zurück zu setzen. Das nachträgliche Verhalten von ihm – auch wenn es mir den Alltag gelegentlich etwas kompliziert gestaltete – gab mir zwingend recht. Manchmal braucht es Distanz. Auch – oder gelegentlich auch insbesondere – zwischen Vater und Sohn.
Jenseits von Gut und Böse (II)
Solche Dinge und Verhaltensweisen, wie eben auch beschrieben, als ich mich bei fremden Paaren eingemischt hatte, oder mich fügte, betrachte ich rückwirkend schon als durch den Willen einer höheren Macht, als instrumentalisiert. Natürlich ist mir klar, dass man das als Abgabe von selbstverantwortlichem Handeln betrachten kann, aber das liegt mir fern. Ich füge mich den Zusammenhängen der Welt, auch wenn das gelegentlich bedeutet (hatte), die Dinge und Angelegenheiten, an meinem Maßstab auszurichten. Ich weiß, ich weiß, man kann auch sagen, Richter und Henker in einer Person, aber ich sehe das unter dem Gesichtspunkt der Sozial-Courage und werte es insofern als selbstverantwortliches Handeln.
Heute läuft das etwas anders ab, diese Sturm und Drang-Phase ist weitgehendst abgelegt und durchstanden, in diesen Tagen übe ich mich eher in Nichteinmischung, auch weil ich das Wesen der Frau, und auch das des Mannes, besser verstehe, und die Sehnsüchte, wie emotionalen Bedarf besser einordnen kann. Doch allerdings, wenn ich sehe, in welch maroden Verhältnissen Kinder teils „gehalten“ werden, ist Schluss mit lustig. So viel steht fest.
Höhere Macht, ja, ich meine damit unter anderem auch unseren Sexualtrieb. Ja, der ist uns zu eigen, wurzelt in uns, doch ist dies im übergeordneten Sinn doch eine höhere Macht, die sich unserem Einfluss entzieht. Wir fügen uns, auch wenn viele den Anschein erwecken, sie würden agieren. Solche unsäglichen Übergriffe, wie Vergewaltigungen sind schlicht und ergreifend, psychische Behinderungen und psychiatrisch ebenfalls diagnostizierbar in der Regel – ohne dies Verhalten zu entschuldigen. Dieses ist ein absolutes No-go, das ist klar. Auch diese Sexsucht nimmt teils Formen an, wie angeblich in meinem Freundeskreis geschehen, wo sich ein erwachsener Mann an einem Kind aufgeilt und dieses benutzt und missbraucht. Wie soll man damit umgehen? Ich muss zugeben, da bin ich auch überfragt, und da ist es halt auch unsere Aufgabe, auf Nachbarn und Freunde ein Auge zu haben, und dann auch gelegentlich mal den Finger in die Wunde zu legen, und auf Missstände aufmerksam zu machen, insofern fühle ich mich, R. betreffend, auch so, als hätte ich versagt.
Ja, höhere Macht, und fehlgeleitete Bedürfnisse, bis hin zu Sucht. Es ist komplex, so viel ist klar. Und wenn man damit allein gelassen wird, ist es umso komplizierter, weil man meist gar nicht über den Tellerrand hinaussieht, im Eifer des Gefechts. Und dann ist es passiert, und sämtliche Grenzen wurden überschritten, das gesellschaftliche Leben ist verpfuscht, und das des Kindes viel zu früh überstrapaziert. Doch wer trägt die Schuld? Diese Frage meine ich ernst. Wer ist schuld?
So sieht das eben aus, wenn man sich unbewusst seinem Leben hingibt, ohne dies als Vorwurf übermitteln zu wollen. V. D. verweigert sich dagegen komplett. So kann man das Leben auch angehen. Diese unsägliche Angst vor der Tiefe und dem Auseinandersetzen über einen inneren, wohl von außen zugeführten Konflikt – vermutlich. Tragisch sind beide Fälle, wie ich finde, denn meines Erachtens, auch wenn das nun etwas wertend anmutet, liegen beide Leben in Scherben. Natürlich zu spät ist es erst, wenn im Bestattungsinstitut die Sargschrauben zugedreht werden, insofern bemühe ich mich weiter. Doch es ist schon auch ärgerlich. Doch wer ist schuld? Ich wiederhole diese Frage, weil wir alle dazu neigen, zu sagen, jede/jeder selbst. Und das ist halt die Frage, oder nicht? Ich lebe mein Leben weitestgehend allein, doch ich schrieb in diesem Kontext öfter „wir“. Und dieses wir schließt alle ein. Jede und jeden.
So viel dazu.
Teil 4
Schule
„Die ist für Sie, die ist für Sie“, sagte sie, von hinten an mich herantretend, auf offener Straße in Owingen, und streckte mir eine dunkelgrüne Schlangengurke hin. Ich war überrascht. „Oh, habe ich die verloren“, meinte ich verwundert, und ging lustigerweise davon aus, dass mir diese Gurke aus dem Rucksack gefallen war. Es folgte der Beginn einer wundersamen Bekanntschaft. Wochen später, wieder in zu Hause in Bayern, ging ich meinen Bemühungen nach, mein Leben weiter aufzubauen, und ging eine Mappe durch die mir G. geschickt hatte. Das ist eben die Kehrseite: Vierzig Jahre lang hatte er diese aufbewahrt. Von mir gemalte Bilder aus der Grundschule. Dazwischen lang ein Blatt, auf dem offensichtlich meine Mutter die Namen der Schülerinnen und Schüler der zweiten Klasse in Groul notiert. Und da stand sie drauf: P. V. Seltsam. Diese Schulzeit blieb mir in Erinnerung, wie den anderen Schülern wahrscheinlich auch: fragmentarisch. Konflikte im Klassenzimmer, Konflikte auf dem Pausenhof, und die Bundesjugendspiele. Später Erinnerungen eröffnen dann Einblicke in den Unterricht, die Erkenntnis, dass ich offenbar ein Spätzünder bin, was handwerkliche Arbeit, wie Häkeln, angeht. Abgespeichert ist ebenfalls die Interpretation eines Blickes, unseres Klassenlehrers auf meine Schuhe. Ja, ich glaubte, er schaute auf meine dunkelblauen Wildlederschuhe, die ich zum ersten Mal an diesem Tag anhatte, und welche mir meine Mutter ohne meine Anwesenheit ausgesucht hatte. Ich trug sie auch nie wieder.

Circa 1981.
Begleitet durch diese Schulzeit hatten mich meine merkwürdigen Hände. Voller Warzen waren die gewesen, bis der angeheiratete Onkel U. G. einmal meinte, die älteste Warze mit Sekundenkleber ersticken. Hatte funktioniert. Danke sehr. Außerdem hatte ich ständig rissige Finger an den Fingerspitzen, was ebenfalls ziemlich unangenehm, weil schmerzhaft, war. Adoptiv-Großtante J. S. meinte, „Drüberpinkeln.“, was ich sehr interessant fand; nicht nur die Aussage, sondern auch die Handlung.
Später ging es dann auf die weiterführende Schule in Haigerloch, welche damals ein Progymnasium war. Das ist eine Sonderform des Gymnasiums, und bietet nur Unterricht bis zur zehnten Klasse, was bedeutet, dass man wieder wechseln muss. Das tat ich nicht. Ich schrieb die zentralen Klassenarbeiten in der zehnten Klasse, ein Jahr später, als ursprünglich geplant, und ging ab; ohne Prüfung. Das wurde mir nahegelegt. Keiner verstand wie ich tickte, was mich selbst einschloss. Ich ahnte etwas, aufgrund meines Verhaltens im Fach Mathematik, kam aber nicht darauf, dieses Verhalten auf mein Leben umzulegen. Ich passte nicht auf, wenn Frau B. B. uns etwas Neues erklärte, sondern machte etwas anderes. Später, daheim, fand ich dann den Weg zur jeweiligen Lösung eigenständig, mit einem gelegentlichen Blick ins Buch natürlich, heraus. So gefiel mir das. Erst vor wenigen Jahren begriff ich, dass ich das bin, was man Autodidakt nennt. Hm.
Also, ja. Die Zeit in Haigerloch war eine bewegte. Die schlechtesten Noten hatte ich in Französisch, obwohl ich diese Sprache liebte, allerdings mit dem Lehrer Herrn K. nicht zurechtkam, ihn schlicht ignorierte. Mein Kryptonid sozusagen: fand ich keinen Zugang zur Lehrerin oder dem Lehrer, lernte ich nicht. Ähnlich verhielt es sich in Chemie. Dort war mir zwar der Lehrer, Herr A. sympathisch, auch wenn er sich gelegentlich ins Hinterzimmer zurückzog, um Alkohol zu trinken, doch die Materie interessierte mich einfach nicht. Mathematik rettete mich, und Sport und Englisch bei Herrn M., welcher uns auch ins Schullandheim begleitete. Er war mein Lieblingslehrer. Er war hart, aber gerecht. Bis heute zitiere ich ihn, mit seiner Haltung, die sich in der Aussage widerspiegelt: „Einmal ist keinmal, zwei Mal ist einmal zu viel.“ Dabei ging es meist, um nicht erledigte Hausaufgaben. Es gab eigentlich rückwirkend nur einen Lehrer, der sich als Feind entpuppte, weniger wegen seines offenbar pädophilen Wesens, als wegen der Strafe, die er meinem Halbbruder A., dem älteren der beiden, aufbrummte, weil dieser in der fünften Klasse, zu Beginn seiner Laufbahn in dieser Schule, seine Hausaufgaben bei Herrn L. nicht gemacht hatte. „Damit es bei dir nicht einreißt, wie bei Thomas.“, war Herrn L. Begründung, welche mich, als ich das erfuhr, zur Weißglut trieb. Na ja.
Nach dem Progymnasium folgte die Berufsschule, ein Jahr Vollzeit, und als begleitende Maßnahme, etwas Arbeit im Ausbildungsbetrieb. Nachdem ich ursprünglich Fotografie lernen wollte, jedoch – womöglich aufgrund mangelhafter Bewerbungen und viel Unwissenheit in dem Bereich – allerdings keinen Ausbildungsplatz finden konnte, entschied ich mich für den Beruf des Bauzeichners. Das war eine gute Entscheidung. Zeichnen hui, Technologie pfui, um das mal auf den Punkt zu bringen. Es brauchte mehrere Anläufe, und ich kam in der Zeit wirklich herum, Balingen, Hechingen, Rottenburg, Jungingen oder da in der Nähe, Schömberg, Reutlingen und das Highlight, Biberach an der Riss. Eine Wahnsinnszeit. Im wahrsten Sinne des Wortes, wie ich ja schon eingehend beschrieben hatte, und die eine sehr bewegte Phase meines Lebens. Wunderbar. In dieser Zeit bin auch ich ordentlich gewachsen – innerlich natürlich. Der Beruf war eine rein gesellschaftliche Notwendigkeit, und sollte in meinem Leben eine untergeordnete Rolle spielen. Die Ausbildung und Praxis das reine Zeichnen und die Beherrschung der Feinmotorik durchs Erlernen der Normschrift dagegen war für mich unbezahlbar.
Aber auch mein soziales Leben startete neu durch, insbesondere aufgrund der weiten Kreise die ich durchs Land zog, allen voran der die Berufsschule in Biberach, circa achtzig Kilometer entfernt und die in Blöcken abgehalten wurden; das heißt, die meisten Schüler dort lebten im Wohnheim auf dem Schulgelände in diesen Phasen. W-u-n-d-e-r-b-a-r-s-t.
Aber es gibt natürlich auch tragische Vorfälle, wie jedem klar sein dürfte, und manchmal passiert wirklich das Schlimmste: Mein Kollege, wir besuchten die Vollzeitberufsschule in Balingen zusammen und kannten uns schon vorher vom Sehen, Cem Günyar fiel einfach eines Morgens im Bad tot um. Er hinterließ eine Frau, eine Schwester und, ich glaube, zwei Töchter. Dies hatte mir mein Herz zumindest angebrochen.
Arbeit
Es machte mir mitunter schon sehr früh Freude zu arbeiten. Zwar führte ich nicht wirklich jede Tätigkeit gerne aus, es – und da schließt sich ein Kreis – es kam eben darauf an, mit wem ich auch arbeitete, und wie sehr mich das forderte. Meinen ersten Job hatte ich als Zeitungsausträger, dann einer der schönsten in der Teppichabteilung eines Einrichtungshauses in Owingen, daraufhin in einem Landschafts- und Gartenbaubetrieb, es folgte wieder das Möbelhaus mit Arbeit als Möbel-Auslieferer- und Montage-Dienstler, als ich älter war dann für länger ebenfalls in jenem Unternehmen in der Lampenabteilung und als Verkäufer von Gartenmöbeln, und letzteres war recht anspruchsvoll und ich konnte viel lernen, insbesondere über meine Eigenwilligkeit in beruflicher Hinsicht und auch viel, im Umgang mit Menschen. Deutsches Rotes Kreuz war eine weitere Station und dann eben noch Gastronomie, dort bin ich dann auch mal umfassender eingestiegen. Ernst wurde es dann in der Mobilfunkbranche, als Berater, Promoter und Merchandiser, und für die Technikhotline eines Pay-Television-Senders. Zu dieser Zeit wechselte ich dann allmählich nach Augsburg in Bayern über, wofür ich mir tatsächlich Zeit ließ. Der letzte Job, den ich ausübte und allerdings nicht über die Probezeit hinauskam, war ein Hybridjob in der Terminvergabe und an der Bar eine Physiozentrums. Das sollte es das dann auch gewesen sein, was Festanstellungen oder zumindest Teilzeitjobs anging. Es folgten nur noch Praktika und Ehrenämter, und eben wieder selbstständige beziehungsweise gewerbliche Tätigkeiten, wo ich mich allerdings auch über ein Jahr erst entwickeln und grundlegend orientieren musste. Der springende Punkt ist einfach gewesen, dass ich durch diesen narzisstischen Sand im Getriebe einfach mich dahingehend entwickelt und reagiert hatte, dass ich mich für die Allgemeinheit – persönlich, wie beruflich – zwischen den Ebenen bewegt hatte, um nicht greifbar zu sein, was um ein Haar in einen endgültigen Teufelskreis gemündet hätte, wären da nicht Jahrzehnte lang Gespräche mit Psychologinnen und Psychologen und auch Pädagogen gewesen. Diesen habe ich meinen Dank durchaus schon übermittelt, eben im persönlichen Gespräch, doch ich werde nicht müde dies hiermit auch noch einmal zu tun. Danke sehr, vielen herzlichen Dank, Claudia Käfer, Jasmina Metz, Astrid Thome, Herr Schmid, Wolfgang Wolfrum, Thomas Truxa, und manch eine oder einen in den vielen Kliniken, deren Namen ich umständehalber nicht länger speichern konnte. Haben Sie vielen Dank.

Nun, das war das. Das Kapitel ist abgeschlossen, nun geht es darum Kapital aus der ganzen Geschichte zu ziehen. Das sagte bereits Aristoteles angeblich, wie ich vor einer Stunde in der Begegnungsstätte, hier im Viertel auf einem Zettel des Kalenders lesen konnte: So frei nach dem Motto, wenn Talent und Bedürfnisse der Welt zusammenkommen, dann spricht man von Berufung“. Wie ich in meinem Vorstellungstext auf der Rückseite dieses Buches schon verdeutlicht habe, orientiere ich mich eher oder vielmehr zu fernöstlicher Philosophie, mehr noch, ich bin sogar überzeugt davon, dass meine Vorfahren teils über das Land, teils über die See, auch daherkommen, aber oft bringen es die alten Griechen und Perser auch auf den Punkt.
Ich würde mich freuen, wenn dein Weg und mein Weg sich doch noch einmal kreuzen, sei es durch ein weiteres Buch, vielleicht einen Film über dieses oder jenes, ein schriftlicher Dialog, Kommentare in Sozialen Medien, es gibt so viele Möglichkeiten, lass sie uns gelegentlich nutzen, und den Riss zwischen deiner Welt und der meinen, falls es diesen wahrhaftig geben sollte, immer noch oder wieder, kitten. Stehen wir zusammenfassend in derselben Bubble, hoffe ich, du fandest die Reise bis hierhin ebenfalls spannend. Alles was jetzt kommt, ist eine Zugabe, und ein Geschenk:
Besuche bitte die Website: thomasschmoll.ruchami.de. Dort ist das Geschenk gelagert und zum Abholen bereit.
Danksagung:
Bitte, ihr, die ehrlich zu mir wart und seid, vielen herzlichen Dank. Ebenfalls sehr dankbar bin ich denen dich nicht ehrlich waren, denn sie haben mich richtig gefordert. Also, merci dir.
Die größte Dankbarkeit allerdings gilt meinen Vorfahren, allen voran meiner Mutter und deren Mutter. Ich liebe euch.
Für die Familie Liener aus Owingen.
https://link.deezer.com/s/32kgpWx55rOd88I8be5vU
01.02.2026
Thomas Schmoll, München
