
Buch II
Teil 1
Das Loch im Sand.
Der erste Satz fällt mir leicht. Das liegt vor allem daran, dass ich mit ersten Schritten – ganz allgemein – wenig Schwierigkeiten habe. Was mir manchmal dagegen schwer fällt, ist Jahre lang das selbe zu tun.
Hm, das muss ich vertiefen: Es fällt mir nicht schwer, das gleiche Ziel zu verfolgen – spätestens seit dem ich das Buch Siddartha gelesen hatte, oder sogar noch früher: Als ich das erste Mal von fernöstlicher Lebenshaltung erfuhr, und dass man dort wohl so lebte „Was kann ich sein?“ und nicht, „Was kann ich haben?“, ja… jetzt die Kurve kriegen 😀 … war das tatsächlich „Selbstverwirklichung“. Und das sollte ein Mummutprojekt für mich sein. Dies werde ich hier erzählen. Also, normalerweise ist das ja keine Schwierigkeit. Selbstverwirklichung. Doch in meinem Fall war es enorm schwierig, und nun stehe ich vor dem Dilemma, dass ich einundfünfizig mal die Sonne umkreist habe, und die tiefgreifende Gewohnheit verinnerlicht habe, zyklisch zu leben, also die Balance zwischen Arbeit und Erholung im Rythmus des Mondes zu gestalten. Also, nicht jeden Tag die gleiche Arbeit verrichten, sondern drei, vier, fünf Tage lang dies arbeiten, dann jenes, und dann wieder anderes und so weiter, und diesen Wechsel dann wiederholend. Und so, wie der beinahe Zufall es will, ist heute sogar Neumond.
Wer das erste Buch gelesen hat, wird wissen was ich meine. Wer nicht, keine Sorge, es wird hier genauso in die Breite gehen, wie zuvor, nur nicht ganz so sehr auf die Zeit, um meine Jugend herum und meinen Adoptivvater G., ausgelegt.
Es wird möglicherweise oder wahrscheinlich eine Reise durch diese dicke Schicht aus emotionalem Granit, die unter dem Sand dieses malerischen Strandes, versteckt und wartend, lag und liegt. Schon interessant, dieses Sinnbild, die Berge und der See, der Strand, das tiefe Loch, und nun die wirklich harte und auch unerwartete Arbeit an dieser weit zurückliegenden Episode und tief vergrabenen, durch mein Unterbewusstsein beiseite geschobenen Erinnerung.
Nicht, dass ich keine Ahnung hätte, was da los gewesen war, aber es ist eben nur eine Ahnung, und einzelne Wortfetzen, und Bilder und andere Sinneseindrücke, die wie Luftblasen an die Oberfläche meines Bewusstseins dringen mögen, um dann… ja was denn eigentlich? Aufzugehen, und sich vermengen mit dem großen Ganzen?
Die Kunst wird sein, sich nicht zu verlieren – dass ich mich nicht verliere. Und eben nicht abdrifte, in eine manische Episode. Doch deswegen habe ich mir eine Verhaltenstherapeutin gesucht, oder im Grunde vielmehr eine Psychologin, welche mehr oder weniger zufällig Verhaltenstherapeutin ist. Der Vorteil: Verhaltenstherapeuten sind meist aktiver und schaffen mehr Strukur. Nun war ich Jahrzehnte lang in tiefenpsychologischen Gesprächen und habe erzählt und erzählt und verändert und verändert und herausgefunden und herausgefunden und habe ich mich gesuhlt und gesuhlt und dann durch mehrere Durchbrüche, den heutigen Freiraum gewonnen, und die Sicherheit mich selbst im Griff zu haben, wenn dieser emotionale Tsunami Anlauf nimmt, und über mich hinweg brettert. So stelle ich mir das vor, …. denn so hatte ich das kennengelernt, damals in Augsburg, auf dem Weg von diesem Studentencafé zu meinem Arbeitplatz, als diese steinharte Erinnerung in mir emporstieg und sich wand in mir und durch mich, und mir die Luft zu atmen nahm, und emotional mit voller Wucht, nicht nur ausholte, sondern gleichmaßen rigoros über mich hinweg bretterte.
Danach war alles anders. Du wirst das Gefühl vielleicht kennen, wenn du einmal geahnt hast, dass mit dir etwas – ganz gleich wie und was – nicht stimmt, und jemand dir eine Diagnose darüber mitteilt. Vielleicht folgte dann ein kleiner oder größerer Schock, doch im Grunde zieht dann unweigerlich der Frieden ein. Natürlich gilt das nicht für jede oder jeden, und nicht für alles erdenkliche, aber prinzipiell kann es so doch schon ablaufen. Natürlich kam der Frieden nicht sofort, erstmal gab es so eine Art Nachbeben, in Form einer Postramatischen Belastungsstörung, welche von einem Psychiater mit Tavor behandelt wurde. Auf dieses Prinzip und solche Behandlungsmethoden ging ich ja in Buch 1 dieser Autobiographie bereits ein, auch in Hinblick auf mein mangelndes Bewusstsein in diesem Kontext zu jener Zeit, daher lasse ich das jetzt mal ausgespart.
Nun, es war ein Meilenstein, mit einem Haus daneben und einem Wächter. Ja, das Bild passt: Mein Unterbewusstsein als Wächter, der prüft und prüft, und irgendwann den Weg frei macht, um diesen wirklich ekelhaften, sexuell aufgeladenen und sadistisch verpackten Missbrauch an mir, in meiner Erinnerung wieder zuzulassen.
Es ist nun im Moment gar nicht so sehr die Situation, dass ich – wie üblich Bilder oder Szenen im Kopf hätte, welche in mir hochgekommen sind und mich nun verfolgen. Nein, es sind die Handlungen, die ich in diesen wiedrholten Episoden erlebt hatte, und Jahre und Jahrzehnte wiederholt hatte, und die teils so neben der Spur gewesen sind, dass ich mich über mich und mein Verhalten nur wundern konnte. Präzisiert, da es sich ja um sadistischen und sexuell orientierten Kindesmissbrauch gehandelt hatte: Ich habe nicht den Missbrauch in der Form widerholt, als dass ich andere Kinder missbraucht hätte, nein. Ich habe die erlebten Handlungen die mein damaliger Peiniger an mir begangen hatte, mit allen möglichen Hilfmitteln an mir wiederholt.
Vom heutigen Standpunkt aus, sind dieseSelbstbefriedigungsorgien allerdings nur Mittel zum Zweck. Das verheerende Verhalten von mir, die Reaktion, welches mein Schicksal bestimmt hatte, war dies: Die nahezu komplette Unterdrückung von meinen Gefühlen. Das war die eigentliche Katastrophe.
Verstehe mich bitte richtig: Nicht, dass ich alle Gefühle und Emotionen jederzeit unterdrückt hätte, doch die Gefühle diese Ereigniskette betreffend, sind schlicht verschüttet gegangen. Gewesen. Willst du mal den Anlass hören, welcher mich zum ersten direkten Gefühl, nämlich Traurigkeit, darüber brachte? Dann hör dir das doch mal an:

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Der erste Schritt, auf dem Weg in die Freiheit, weg von der elterlichen Bindung, weg aus dem Elternhaus, ist mit diesem Lied verknüpft, zur Zeit des Schullandheimes. Das ging nicht ohne Tränen, und auch nicht ohne Gewalt – letztendich -, doch es war gravierend. In jeder Hinsicht.
Es war in den frühen Neunzehnachtzigern, dass dieser Schultrip stattfand, unter der Leitung unseres Klassenlehrers, Herrn Gebhard Mayer, der mittlerweile verstorben ist, doch von allen Lehrern in meinem Leben, den bedeutendsten Platz einnimmt. Wir verstanden uns blendend, und irgendwie absolvierte ich auch gewissermaßen und ersatzweise meine „Grundausbildung“ bei ihm, also im militärischen Sinn. Irgendwie habe ich aufgrund seines Auftretens den Verdacht gehabt, dass er eine schillernde Karriere bei der Bundeswehr genossen hatte. Ich fühlte mich jedenfalls aufgehoben, was allerdings trotzdem dazu führte, dass ich eben ein paar Stunden lang, eines Abends dort in Isny, im Allgäu, ins Kissen heulte. Es gab dann unter anderem noch ein paar nächtliche Touren, in die Schlafzimmer der Mädchen, und ich lernte viel – über mich und von anderen. So zum Beispiel, dass den meisten Frauen Äußeres und viel drumherum egal zu sein schien – oder scheint – wenn Mann Selbstbewusstsein, Eigenintiative und Risikobereitschaft demonstriert. Das war sehr interessant. Auch wenn ich weniger aktiv ins Geschehen eingriff, und mich auf die stille Beobachterrolle beschränkte, wenn auch im Mädchen-Schlafzimmer -, und zudem noch andere ins Bett zu meiner Angebeteten hüpften, ich war versorgt.
Dann jedoch kam das verhängnisvolle Telefonat: „Willst du das wir dich besuchen?“ Mein Zögern zuerst, und dann bretterte ich über meine Gefühle hinweg und log, „Ja, klar.“ Es versteht sich von selbst, dass meine Mutter stinksauer war, dass sie und der Rest unserer Familie Stunden im Auto verbrachten, um mich dort, in Isny, zu besuchen, und ich dies mit einem sehr langen Gesicht quittierte. Doch der wuchtige Schlag von ihr daraufhin, während des spaziergangs, in mein Gesicht, war daneben von ihr.
Tja, was soll ich sagen. Meine ersten Erfahrungen mit Yin und Yang quasi. Oder wie siehst du das?
Okay.
Als, Yin und Yang, die Wurzel des Taoismus, fällt mir in diesem Kontext, und im Leben ganz allgemein, ein, wenn quasi die weiße Fläche diesen schwarzen Punkt in sich trägt. In diese Episode übertragen, wenn die unbedingte Liebe einer Mutter, zu ihrem Sohn, auch einen gewisse Hass in sich trägt. Wer will es den Müttern dieser Welt übel nehmen? Die Frage ist nun eben, ohne da ein großes Thema aufmachen zu müssen, hatte ich es meiner Mutter übel genommen? Oder nehme ich ihr noch übel? Ich denke, oder glaube vielmehr, nein, doch ich fühle auch deutlich, dass dieser Schlag jenseits von Gut und Böse war. Und wenn ich diesen Gedanken nun vertiefe, was ich mir für ein paar Sekunden erlaube, so spielt von ihrem Standpunkt aus natürlich noch die Abhängigkeit und Verantwortung gegenüber ihrem zweiten, damals aktuellen Ehemann mit hinein, der ja mein Adoptivater ist. Und wie dieser die Beziehung zwischen meiner Mutter und mir belastet, ja gar sabotiert hatte, ist nur im engsten Kreis unserer Familie ein Geheimnis. Und ein bisschen Bitterkeit mischt sich in die folgende Aussage nun doch hinein: Den weiten Kreisen unserer Familie scheint es gleichgültig zu sein, was da passiert ist, Bekannten und Freunden und Nachbarn scheinbar auch. Und dies gelingt duch, ja genau: Manipulation. Was soll man machen. Jetzt stellt sich die Frage danach sowieso, insbesondere bei der Schwere dieser psychischen Störung bei G – sadistisch, psychopathisch, narzisstisch. Was soll man machen? Was soll ich machen?
Ach, Leute, „es ist was es ist, sagt die Liebe.“ Zitat aus einem Gedicht von Erich Fried.
Gute Nacht für heute.
Die gefühlte Cousine
So. Der nächste Morgen. Es ist Sonntag. Ein Frühlingstag im Jahr 2026. Ich fühle mich jetzt, um 06:17 Uhr, einigermaßen wohl, doch beißen meine Unterkiefer aufeinander, während ich das schreibe, will sagen ich knirsche mit den Zähnen. Sie ist da, die Wut; wenn auch etwas diffus, ich kann nicht wirklich sagen, aus welcher Ecke und welcher Tiefe sie an die Oberfläche blubbert. So kann ich im Moment nicht sagen, ob es daran liegt, dass ich gestern mit diesem Buch angefangen beziehungsweise es fortgesetzt habe, oder ob es an diesem Bild, meiner Wahlcousine liegt, um wie viel „Ecken“ läßt sich nicht abschätzen. Tatsächlich fühlt es sich bisschen zynisch an, wenn ich das von meinem Standpunkt aus, so sage – ihr gegenüber – doch es ist so, dass ich ihr nahe stehe – zumindest gefühlt.
Lin Baozhu. Mit neun Jahren wurde sie von den Mitgliedern – oder einem Mitglied – einer Triade der chinesischen Mafia, angeblich zur Prostitution gezwungen. Offenbar ist sie daran zugrunde gegangen, und mit achtzehn Jahren gestorben.

Quelle: Arte, Die chinesische Mafia auf dem Vormarsch (1-3) – Eine Krake wird geboren
Das geht mir sehr nah und lässt sich nur schwer verdauen. Was für eine …. Ja, was ist das genau? Es ist eine der größten Katastrophen, ein einzelnes Menschenschicksal betreffend, von dem bekannt ist, dass es passiert ist. Tatsächlich. Und doch, es stößt mir gerade auf, dass ich sie ja auch etwas benutze, und zwar im Moment, der Art, dass ich ihr Schicksal mit meinem verknüpfe, um auszuweichen, zwar wütend bin, tief vergraben in meinem Innersten, … doch sie auch brauche, um ein Ventil zu finden. Natürlich kann man sagen, na ja, so hatte ihr Leben zwar etwas Gutes, doch das geht fast schon wirklich in Richtung Zynismus (wenngleich natürlich an der Situation hier und jetzt nichts spöttisches ist), und der Preis den sie bezahlt hat, enorm zu hoch ist. Scheint aber so, dass wir Menschen so ticken. Hm, und wenn ich den Bogen weiter spanne, und wieder auf Yin und Yang und den Taoismus komme, …. unsere Ahnen, und deren Bedeutung für unser eigenes Leben, unser Schicksal, wenn man so will. Also, dass wir schicksalshaft deren Verfehlungen aufarbeiten müssen. Daran kann ich auch immer wieder mal glauben. Auch in meiner Familie kann es natürlich durchaus vorgekommen sein, dass der Nationalsozialismus eine Rolle gespielt haben kann. Um weiter zu gehen. So fällt mir dazu ein Foto meines Urgroßvaters in möglicherweise einer Wehrmachtsuniform ein, und er trägt dazu ein verdächtiges Oberlippenbärtchen, diese drei, vier Zentimeter breiten eben. Na ja, da werde ich auch mal einen Blick drauf werfen; man kann nun ja vereinfacht und niederschwellig zugänglich recherchieren.
Zurück zu Lin …. meine Güte. Aber zu schreiben gibt es darüber im Grunde nichts mehr. Zumindest von meinem Standpunkt aus, denn mich begleitet sie und die Situation, zu der sie gezwungen wurde, und welche sie das Leben gekostet hat, nun, wenn auch teilfiktiv, einige Wochen bereits. Und das bedeutet, sie ist doch schon Teil meines Lebens geworden. Und das ist irgendwie schön, denn so lebt sie ein bisschen weiter.
Na, es ist schon etwas verwunderlich, dass ich oft in der Gegend herumstehe oder -liege und meine Gedanken schweifen lasse, und dann auch offenkundig wütend werde, doch diese sich nicht gegen den damaligen Peiniger richtet. Grund gäbe es ja genug. Seltsam.
Vielleicht, und dies schreibe ich als früher ziemlich psychisch Angeschlagener, und daher – mit weit über zehn Psychiatrie-Aufenthalten, …. es überrascht mich nichts mehr in diese Richtung. Will sagen, Pech gehabt, in den Fängen von Psychopathen. Es ist zwar ein Sammelsurium an Möglichkeiten, Gründen und Verantwortlichkeiten, doch im Moment finde ich keinen Auslöser für zielgerichtete Wut. Und doch beiße ich auf meinen Schneidezähnen herum.
rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr
Hahahüstel.
Wahnsinn. Wie eine Zugbrücke. Man sieht deutlich die andere Seite, über den Graben hinweg, und hat auch die Brücke schon heruntergelassen, doch man steht noch da zu Beginn des Übergangs herum und schaut nur in den Himmel. Ich stehe da zu Beginn herum, und schaue in den Himmel. Tja.
Geduld mit mir selbst zu haben ist die eine Sache, doch es vielleicht sogar mehr. Vielleicht ist die Erinnerung, auf die ich warte, auch einfach weg? Hm. Das kommt mir gerade in den Sinn. Ich meine, als ich das Bild von Ch. gesehen hatte, letztes Jahr war das, war ich leicht angespannt, doch nicht dramatisch aufgewühlt. Und die Fotos von Stuttgart-Birkach, dem Wohngebäudekomplex und dem Waldrand und der Mauer neben der Straße, alles vertraut. Muss ich da wirklich persönlich hin?
Auf solche Fragen folgt meist direkt eine innere Gewissheit, doch die scheine ich zu scheuen. Oder … oder … oder … weniger denken, mehr fühlen.
Ebenenwechsel

Der Brennpunkt ist das Stigmata, aufgrund fehlender Lobby. Nährboden ist, meines Erachtens, auch durch persönliche Erfahrung an mir selbst ermittelt, Ignoranz über und Furcht vor Tiefgründigkeit. Und das zieht weite Kreise …. nicht nur in jedes Einzelschicksals Leben, sondern auch gesellschaftlich.
Und so ist die aktuelle – allerdings nur nonverbal vermittelbar – Gefühlslage:

Zum Sinn der Wut gibt es viel zu sagen. Das zeigt auch der Umstand, das dieses Thema immer öfter in den Fokus so mancher Reportage rückt. Doch was mich betrifft, ist es nicht wie zuletzt einmal, eben in Form einer Reportage dargestellt, die Verarbeitung oder vielmehr der Umgang der Wut, sondern was mich im Moment interessiert, ist der Hintergrund. Also, von was kommt sie und was löst sie an Folgeprozessen in unserem Körper und /oder der Psyche aus. Ungerechtigkeit ist da – wohl oder übel – ein Faktor. Hm. Interessant zumindest, denn bei mir offenbar nicht. Will sagen, ich empfinde nun solche Ereignisse, sexuell und/oder mit Sadismus missbraucht und gedemütigt worden zu sein, nicht als Ungerechtigkeit. Daher auch keine Wut – in diesem Fall. Scheinbar, denn warum beiße ich sonst auf die Zähne? Oder warum endet meine Zeichen-Methode mit zerissenem Papier? Diese Reise ins Ich wird immer rätselhafter.
Selbst solche Situationen und Stationen in meinem Leben, wie der Jahrzehnte lang erlebte emotionale Missbrauch und die psychische und auch physische Gewalt, oder auch die überflüssige Zwangsverabreichung von Medikamenten und nahezu willkürliche Fixierung in der Psychiatrie, sind keine Ungerechtigkeiten für mich. Allerdings war ich sehr wütend darüber, insbesondere wenn ich ein gewisses Kalkül hinter diesen Schandtaten oder den Fehlverhalten vermutet oder sogar gespürt hatte oder immmernoch tue. Leben ist allerdings ein Prozess, und so durchlaufen solche Ereignisse in der Regel auch mehrere innere Prozesse, bis zur vollständigen Verarbeitung. Wenn man das so stehen lässt und bei einer gefühlten Ungerechtigkeit belässt, wird man ja auch wahrscheinlich die Wut darüber nicht los, oder wie ist das bei dir?
Also, ja, jeder findet einen Weg, sei es nun Verarbeitung oder Gewöhnung, oder schematisch „gelöst“, im Sinne von Verdrängung und es gibt bestimmt noch viele weitere Wege, doch wie bekomme ich hier und jetzt die Kurve? Mein Unterbewusstsein, meine innere Stimme signalisiert tief in mir aufkommende Wut. Und nun bin ich vielleicht doch einen Schritt weiter, wenn ich die Frage stellen kann: Bin ich wütend auf das Böse?
Neumond
…. und der kann ja, wenn auch nur für manche Menschen, vieles bedeuten, auch im übertragenen Sinn, nicht wahr? Neubeginn? Wandlung? Ja, Wandlung über Neubeginn, unter anderem durch Reflektion über die eigenen Wurzeln. Das passiert mir gerade, und dir vielleicht auch, denn möglicherweise suchst du einen Seelenverwandten, oder nur jemanden der deine Erfahrungen teilt.
Ja, es waren viel zu viele Traumata in meinem Leben, doch sie sind da gewesen, und ich trage sie in mir, wenn auch teilweise nur schemenhaft. Eines tragen die Peiniger der größten dieser „Kometeneinschläge in die Seele“ gemeinsam: Eine gewisse Herrschsucht. Den unbändigen Willen mir den Sklavenring an den Daumen zu stecken. Gewissermaßen funktionierte das auch, zumindest in der Zeit, in der wir unter vier Augen waren, und ich euch ausgeliefert war. Doch ihr habt mich nicht bekommen. Nein, ihr konntet mich benutzen, weil ihr feige wart, einen Schutzbefohlenen zu missbrauchen. Und weil ihr schwach wart, und gestörtes Verhalten an den Tag gelegt hattet. C. und G., ihr wisst das beide ganz genau. Ich vermute, ihr seht euch nicht im Spiegel, wennihr euch vermeinrlich anschaut, sondern nur eine vernebelte Illusion eurer Selbst. Das tut mir leid. Es tut mir auch leid, wegen all jener, die solch ein Verhalten nicht erdulden konnten, und auch vor fahrende Autos gelaufen sind, und nicht so glimpflich mit einer Gehirnerschütterung davongekommen sind. Und mir tut es leid um mich, dass ich zu solch einem Schritt genötigt wurde. Doch es war nur ein Hilferuf. Zu einer Zeit allerdings, in der die Gesellschaft in diesem Kontext blind war. Das ist Pech. Doch es ist gut jetzt. Wir sind weiter gekommen, es ist nicht einfach möglich, so etwas zu wiederholen, von euch beiden wahrscheinlich nicht, und zumindest nicht an mir und vielen anderen nicht, …. und die, welche so etwas nicht überlebt haben, die kommen vielleicht wieder. Wer weiß das schon so genau.
Und du? Die oder der du das jetzt liest? Wo stehst du? Wer bist du? Woher kommst du? Was hast du hinter dir, und wo soll dein Weg von jetzt an hin führen?
Mein Weg führte mich eine eigens entwickelte Struktur, welche mich trägt, weil ich stark geworden bin, und daher die Struktur mittragen kann. Es ist nie so, dass man nur empfängt, aus einer Struktur heraus, man gibt ja immer auch in die Struktur hinein, nicht wahr? Mitgliedern dieser Struktur auf Augenhöhe zu begegnen, ist essentiell, und es verbreitet sich dann auch Glück. Nicht nur in meinem, oder deinem Leben, sondern auch in der Struktur, unter deren Mitgliedern, manchmal zieht das Glück sogar weitere Kreise. Auf Augenhöhe begegnen erzeugt Leichtigkeit. Leichtigkeit widerum erzeugt Heiterkeit. Verkürzt formuliert. Man kann solche Prozesse immer weiter vertiefen und noch eine Spur differenzerter darstellen, das weißt du auch, das ist nichts neues. Doch eine Qualität nach einem Leben, auf welches krankhaft eingewirkt wurde, ist, man wird ein Meister, eine Meisterin in Flexibiltät. Das heißt, wenn es von vorne nach hinten nicht funktioniert, dann eben von links nach rechts, und wenn das immer noch nicht die Lösung ist, dann von oben nach unten und anders herum. – Die Kunst ist nur den Überblick nicht zu verlieren, und anfangen zu reflektieren, um dann – der US-amerikanische Schauspieler Morgan Freeman hatte das angeblich sinngemäß so formuliert – die Überlebensstrategie dann auch an einem gewissen Punkt loszulassen und zu leben, denn du willst und wirst nicht immer so im Überlebensmodus leben müssen. Das war ein sehr kluger Tipp. Thank you very much.
Es ist komplex, so viel ist sicher. Und Wut und Hass und Rache sind Katalysatoren, mehr nicht, und dies auch nur für begrenzte Zeit. Narzissmus ist eine psychiatrisch diagnostizierbare Störung des Verstandes, der Geisteshaltung. Und das relativert die Angelegenheit. Dann kann der Frieden kommen. Und bleiben.
Gilt dies auch für sexuellen Missbrauch, und das sadistische Quälen von Kindern? Hm. Das ist eine schwierige Frage, oder nicht? Ich weiß es – ehrlich gesagt – noch nicht. Aber was tun? Nach all der Zeit? Daher unter Umständen auch dieses zweite Buch. Leben? Ja, leben. Doch halte ich noch fest daran. Es ist kurios. Und nachdem sich mein Mund etwas verzogen hatte, folgte dann doch ein heftiges Schnauben nur die Nase, von einem demütigen Lächeln begleitet. Ich fahre ungern eingleisig. haha
Eine kleine Auszeit

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Das persönliche Umfeld
Tja, natürlich ist da jetzt ein bisschen Spekulation dabei, doch ich gehe nicht so weit, mir vorzustellen, was genau in anderen Köpfen vorgeht, sondern lese die verursachten Gefühlsausdrücke in Form von Mimik, Gestik und Wortwahl, also die Kommunikation auf allen Ebenen. Insofern hält es sich mit der Spekulation dann auch in Grenzen.
Die Abstände zwischen allen Beteiligten werden größer. Kommentare, wie, „Ich hab schon ein bisschen Angst vor dir.“ und dergleichen fallen dann schon mal. Andere beißen sich auf Ober- und Unterlippe gleichzeitig, Fremde reagieren teils total irritiert. Es ist sehr interessant. Natürlich. Von deren Standpunkt aus, fehlt ja auch wahrscheinlich die Motivation oder sogar die Idee, etwas zu ändern; so frei nach dem Motto: Never change a running system. Doch die wenigsten begreifen, dass das System gar nicht funktioniert beziehungsweise nur zu einem sehr hohen Preis und auf meine Kosten, und sie nur daran gewöhnt sind, wie die Dinge laufen. Weil sie möglicherweise darin aufgewachsen sind und es schlicht gar nicht kennen. Das ist nun keine Kritik, sondern meine Sicht der Dinge. Und dann doch aber auch der Wink mit dem Zaunpfahl, dies einmal zu reflektieren.
Abgesehen davon, sind die Mitglieder dieser Gesellschaft gewohnt, dass es keine (größere) Konflikte in dieser auszutragen gilt. Will sagen, viele reagieren direkt konsterniert, das prinzipiell in der Öffentlichkeit heiß diskutiert wird und etwas ganz offensichtlich aus dem Ruder läuft. Das ist nun schon etwas kritisch, denn Konflikte unterdrücken, heißt ja auch, Gefühle unterdrücken, prinzipiell, oder ist das nur meine Wahrnehmung?
Gegen „die guten Sitten“ verstoßen.
Na ja, du weißt vielleicht, was ich meine.
Teil 2
Innerer Aufwand und Druck von außen und nach außen
Wie, bitte? Musste ich mich nun selbst fragen, was dieses Konstrukt von Titel dieses Abschnittes zu bedeuten hat. Aber es ist ganz einfach. Eigentlich. Innerer Aufwand, quasi die Aufnahme und Verarbeitung des Einflusses von außen. Bewältigung dieses unter Umständen entstandenen inneren Konfliktes, und dessen Verarbeitung führen zum Gegendruck, wenn auch oft zeitversetzt, um dann die Beziehung oder das gesellschaftliche Konstrukt weiter zu entwickeln. Das steht an. Wie genau das aussehen wird, zeigt sich dann im Dialog mit den einzelnen Verantwortlichen, doch es wird einen Spagat geben, so viel sehe ich voraus. Das ist aber nicht als Schwierigkeit zu sehen, sondern als eine Disziplin.
So viel zum Plan. Konkret sieht der erste Schritt die Kontaktaufnahme vor. Dann natürlich das Vernetzen. Und so weiter. Das passiert parallel zur Therapie. Die Therapie, heute war der dritte Termin; und meine Psychotherapeutin und ich, wir nähern uns der Reisehöhe, will sagen, es geht los mit der eigentlichen Therapie. Es wurde vom „Spatenstich“, zur Gründung des Vorhabens, bis zu Ermittlung der Abmessungen, als Länge, Breite, Tiefe, alles abgewickelt. Nun geht es ans Eingemachte. Und siehe da, das Eis ist tragfähig, es knackt nicht mal merklich, doch ich bin und bleibe vorsichtig. Fallen lassen ist noch nicht angesagt. Wie würde das eigentlich aussehen? Ein langes Lachen, eine Art Heulkrampf, oder ein weiterer demolierter Abfalleimer? Hm, ich lass‘ mich mal überraschen. Doch im Grunde wird es wahrscheinlich darauf hinauslaufen, dass sich Frieden einstellen wird, und meine Kiefermuskulator entspannten Zeiten entgegen sehen kann; im Moment habe ich einen erhöhten Kaugummi-Verbrauch 😀
Was dieser Abschnitt ganz deutlich zeigt, ich kann nahezu unfassbar kompliziert sein beziehungsweise denken. Es gelingt mir jedoch immer besser, dies durch schlichte „Erdungsmaßnahmen“ zu unterbinden, also durch „Verwirklichung“ der Sinne. So hilft mir beispielsweise Meister Li mit Tai-Chi und Qigong, und andere mit vielen Kleinigkeiten, beispielsweise dem Hinweis „Holz“ in den Alltag zu integrieren, was dann so aussieht, dass ich mir ein Holzarmband gebastelt habe. Es ist schon verblüffend, wie komplex wir Menschen sind, und wie schnell wir dennoch auf kleinste Dinge und Veränderung reagieren (können).
Was also ist das, mein Ziel? Das kann ich schreiben: Dass diese Dinge, diese bösen Handlungen ein Ende haben, und die Peiniger diskreditiert werden, ohne im übertragenen Sinn gesteinigt zu werden. In mir haben sie ein Ende erreicht, und ich vermag diese negative Energie zu transformieren, sodass es bei Energie bleibt, welche ich einsetzen kann für gute Dinge, ein postives Leben. So ist das dann sinnvoll gelebt.
Inner Druck, ja, passender wäre vielleicht: Energiemanagemant – quasi neudeutsch und ganzheitlich. Es verhält sich dann schon so, dass dann auch alte Gewohnheiten in neue Kanäle übertragen werden. Und das ist dann meines Erachtens nach, sonnvoll erlernt, oder ist das zu selbstgefällig? Na, heute scheint eine gewisse Überforderung spürbar, viel Programm, und meines Körpers Reaktion ist ein erhöhtes Hungergefühl, und viel überschüssige Energie. Solche Situationen, wenn dann noch so Programme, wie Verhaltens- und Traumatherapie parallel und im Hintergrund ablaufen, führen dann zu seltsamen Momenten, wie E-Mails an das Bundesministerium des Inneren, um Details abzuklären, oder gar direkte Vorschläge an den Bundeskanzler, wie man außenpolitisch auftreten könne. Ich persönlich finde das nicht zu viel des Guten, oder gar anmaßend, sondern zielführend. Denn wir brauchen zurzeit alle Kräfte, die wir mobilisieren können. Und die Zeit des Zurücklehnens und andere für einen oder eine arbeiten lassen, sind nun einmal vorbei, nicht wahr? Nicht, dass man direkt für mich gearbeitet hätte, doch indirekt, also Eltern, oder andere Steuerzahlerinnen und Steuerzahler leisten oft einen hohen Beitrag, der oft nicht geschätzt wird. Vater Staat, oder gar Mutter Erde sind dann in der Pflicht, aber weit gefehlt ….
Energiearbeit. Energiemanagement. Energiefluss. Wesentliche Aspekte des Lebens. Werde das an späterer Stelle vertiefen, parallel zu meinen teils noch bevorstehenden Erfahrungen.
Irritation und (meine) Männlichkeit
Ein Minenfeld, Irritation ja sowieso, und dieses Männlichkeitsding ja irgendwie auch. Zumindest in diesen Tagen. Um das Bild mal feiner zu zeichnen, als diesen groben Klacks Farbe da hinzuschmieren: Diese Therapie seit drei, vier Wochen zeigt eines ganz deutlich auf: Wie sehr ich in den vergangen Jahrzehnten über dünnes Eis geschlittert bin. Ich meine nun gar nicht mein Verhalten, sondern tatsächlich den emotionalen Zustand in dieser Zeit. Bis vor wenigen Jahren war es einfach, denn in dieser Zeit dockte ich einfach bei meinem Psychotherapeuten an. Das ist natürlich nicht sinnvoll, weil dieser in jener Zeit, in welcher wir unter vier Augen sprachen beziehungsweise ich redete, er ja nicht er selbst war, sondern im Arbeitsmodus. Das ist natürlich dennoch die einzige Möglichkeit gewesen, einmal intensiver bei jemandem, der als Vorbild diente, anzudocken. Nun sehe ich aber die Schwachstellen dieser Art und Weise. Also, ganz persönlich für mich.
Tatsächlich ist es ja ein unfassbares detailreiches, teils an Realität, teils an Fiktion angelehntes Mosaik, wie ich bin. Warum nicht an der Realität angelehnt? Weil ich viel mit wesentlich älteren Männern – und auch Frauen – zu tun hatte, und viel aus Filmrollen lesen musste. Glücklicherweise gab es damals noch keine Sozialen Medien.
Doch ich bin zu meinem Kern durchgedrungen, in die Tiefen meiner Persönlichkeit, die sich auch im steten Wandel befindet, sich zyklisch, wie eine Spirale, bewegt, und nie zwei Mal an derselben Stelle vorbei kommt. Dieses Prinzip eint uns Menschen ja, wie tatsächlich so viele Dinge, nicht wahr?
–
Okay, bisschen anstrengend ist das schon, im Moment. Gefühlt, kochen drei, vier Töpfe gleichzeitig, und den Braten im Ofen habe ich auch noch im Hinterkopf. Die Natur, der lange Gang durch den Nymphenburger Schlosspark, war die richtige Entspanungsmethode. Ob der doppelte Espresso jetzt dann die richtige Entscheidung war, wird sich demnächst herausstellen, doch es ist Routine, und ein Spektakel für die Geschmacksnerven, insofern tut das schon gut.
Mir fiel gerade auf, dass dieses „Buch II“ sich scheinbar zu einem Tagebuch entwickeln zu scheint, das war im Grunde nicht beabsichtigt, werde ich auch abseits der Therapie nicht derart verfolgen, aber ein Therapiebegleitbuch wird es dann schon werden. Ich sagte das auch meiner Psychologin, ich scheine mich etwas in Nebenkriegsschauplätze zu verlieren. Sie erwiderte, dass das normal sei, und wir kamen überein, dass bis die nötige Vertrauensbasis und die Reiseflughöhe hergestellt ist, dies auch Sinn macht. Dennoch muss ich aufpassen, und auf meinen Energiehaushalt besonders acht geben, um nicht der unterbewussten Notfallmethode meines Ichs zu erliegen, und eine psychisch krankhafte Episode zu durchleben. Das heißt im Klartext: Balance, von innen heraus, und nicht von außen gesteuert. Aufgeschlüsselt: Nicht nur denken, sondern auch schreiben. Nicht nur gehen, sondern auch die Hände bewegen. Und so weiter ….
Der Kern
Manchmal braucht es einfach einen Szenenwechsel, wie soeben der Gang um den Block, zwanzig Minuten lang. Dann komme ich wieder zum Wesentlichen: Ich war Jahrzehnte lang so darauf fixiert, am Leben festzuhalten, dass ich darüber hinaus gar nicht dazu kam, es zu leben. Letztes Jahr – und vorbereitend ein paar Jahre davor – fand ich dann zum Kern. Ich musste das – mein – Leben loslassen, und einsetzen, um zu leben. Es geht dabei nicht darum, dem Leben ein Ende zu setzen, nein.
Jetzt muss ich noch einmal graben, tief in mir, um die Worte zu finden, um zu vermitteln, wie sich das verhält. ha ha. Mal sehen, ob mir das gelingt.
Es ist einfach so, um diesen Wesenzug neu aufzugreifen, müsste ich die Erfahrung neu erleben, welche sich im Laufe der Zeit verinnerlicht hat, und von welcher ich mich phasenweise distanziere, um mich dann wieder anzunähern. Nur soviel, im Kern dieses Wesenzuges, steht nicht der Tod, sondern Spontanität und geistige, sowie größtmögliche seelische Freiheit.
Doch das ist im Moment nicht lösbar, da ich mich ja in Trauma-Therapie befinde, daher werde ich später dazu noch einmal möglicherweise zurückkommen.
Fühlen
[Stand 23.05.2026 – Fortsetzung folgt]